"Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!” (Markus-Evangelium 9,23)






Shraddha = Vertrauen, Überzeugung, Entschlossenheit


"Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt, dass ihr es schon erhalten habt,
dann wird es euch zuteil."
(Mark 11,23-24)

"Glauben Sie mir nichts – Überzeugen Sie sich!" (Bruno Gröning)



Mit der Stärke des Glaubens ist keine Krankheit unheilbar.
Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass wir uns nicht weiterhin auf die Krankheit, sondern vielmehr auf den Heilstrom konzentrieren. Sorgen und Ängste sind nur ein Produkt unseres feinstofflichen Körpers – also etwas Materielles, das nicht zu uns gehört und das wir abgeben können. Wenn wir daran festhalten, blockieren wir die Aufnahme des göttlichen Heilstroms. Dieser Weg der Heilung ist nicht auf Geister oder Hypnose zurückzuführen, sondern er basiert auf dem freien Willen und auf einer liebevollen Interaktivität mit dem göttlichen Bewusstsein, dem persönlichen Aspekt des Absoluten.

Was ist Glauben in der Yoga-Psychologie? Mit der Stärke des Glaubens ist Shraddha gemeint. Übersetzt wird der Sanskrit-Begriff Shraddha mit Glaube, Vertrauen, Glaubensgewissheit. Damit ist aber nicht einfach ein Fürwahrhalten bestimmter religiöser Glaubensinhalte oder Dogmen gemeint (wenn Übersetzungen dann etwa von faith oder Glaube usw. sprechen). Vielmehr ist in der Sanskritsprache die Bedeutung einer ewigen inneren Gewissheit enthalten, die in der Berührung mit der Kraft Gottes aus dem Inneren offenbar wird.

Wirkliches Shraddha wird untermauert durch Wissen (Jana), realisiertem Wissen (Vijana, Erfahrung), philosophische Schlussfolgerungen (Siddhantas), dem höheren Geschmack (Rasa) und der lebendigen Gemeinschaft (Sadhu-Sanga) mit Heiligen (Sadhus), denjenigen, die das Ziel (Sadhia) und den Weg dahin (Sadhana) erfahren haben. Es ist die Erfahrung und nicht der institutionalisierte blinde Glauben, die wir brauchen ... sonst passiert uns das:




Wenn Einstein eine Formel für den Frieden im Nahen Osten hätte aufschreiben sollen ... (Thunk! Thunk! Thunk! = Einstein schlägt den Kopf an die Tafel ...)


Was ist Shraddha? Was ist ein gesunder Glaube?

In den Yoga-Sutras von Patanjali steht geschrieben, dass der spirituelle Fortschritt eines Yogis an seinem auf Wissen und Erkenntnis gegründeten Vertrauen in einen spirituellen Vorgang gemessen wird.
Das Shraddha ist die Medizin gegen den Einfluss von ausbeuterischer Leidenschaft, zerstörerischer Unwissenheit und den daraus resultierenden Krankheiten, Depressionen usw. Der Heilungsprozess beruht also auf der Qualität des Shraddhas.

Shraddha verursacht eine Furchtlosigkeit und ein Vertrauen, wie sie nur der Yogi, der mit dem Göttlichen verbundene Spiritualist, erlangen kann. Shraddha basiert auf der Erfahrung und Verwirklichung eines höheren Geschmackes, der alle Freuden, die aus vergänglichen, materiellen Objekten gezogen werden, fahl und schal erscheinen lässt. Wie und woran sollen wir glauben? Glauben und Vertrauen sind sehr wichtig im Leben, denn jede unserer Handlungen beruht darauf. Wenn wir ins Kino gehen, dann nur weil wir den Glauben und das Vertrauen haben, dass der Film auch gut ist. Wenn wir ins Restaurant gehen, dann haben wir den Glauben und das Vertrauen, dass die Küche sauber ist und wir keine Lebensmittelvergiftung davontragen. Schon nur, wenn wir uns auf einen Stuhl setzen – wir brauchen Vertrauen.

Es gibt folgende drei Arten von Glauben: 1. Der Glaube an verstandene philosophische Wahrheiten und deren Schlussfolgerungen (Tattvas und Siddhantas). 2. Der Glaube aus unseren Erfahrungen (Rasa = Geschmack, z.B. die Schokolade hat gut geschmeckt und ich will mehr!) und 3. Blinder Glaube d.h. der Glaube, welchem die ersten zwei der drei Arten von Glauben fehlt und der uns von einem Gruppenzwang eingeimpft wurde. Viele unserer Verhaltensweisen beruhen auf dem institutionalisiertem, blinden Glauben, sei es in den Religionen, im Finanzwesen, in der Wissenschaft oder im alltäglichen Leben. Diese drei Arten von Glauben ergeben nun ein Glaubensgemisch, das vergleichbar ist mit dem Betongemisch in einem Gebäude. Im Beton hat es Eisenstangen, welche ihn zusammenhalten, das entspräche dem Glauben aus dem Verständnis von philosophischen Konzepten und Schlussfolgerungen (Siddhanta). Der Glaube aus Erfahrungen wäre dann zu vergleichen mit dem Zement- und Sandgemisch in diesem Gebäude (Vijnana = verwirklichtes Wissen). Der blinde Glaube wäre dann noch die Luft, die sich im Inneren des Betons befindet. Jeder Bauarbeiter weiss, dass der Beton zu bröckeln beginnt, wenn sich in ihm nicht genügend Eisenstangen oder zu viel Luft befinden.

In der selben Art und Weise, wie der Bauherr beim Betonieren mittels Vibration die Luft aus dem Beton entfernt, müssen wir dafür sorgen, dass unser Shraddha-Gebäude so wenig blinden Glauben wie möglich enthält, denn sonst ist jede Entsagung auf Sand gebaut. Dieses Entfernen des blinden Glaubens ist wichtig, um sich ohne Zweifel, d.h. entschlossen, auf die spirituelle Energiequelle einzustellen, um so nachhaltig neue Energie aus dem göttlichen Heilstrom zu absorbieren. Auf diese Weise wird echte, gesunde Entschlossenheit uns helfen, den höheren Geschmack zu erfahren, welcher sonst durch die Einflüsse von Raja- und Tama-Guna (siehe das Kapitel: Yoga) mit der Zeit immer wieder vergessen wird.

Wäre das schon alles? Nein, es braucht noch ein wenig mehr dazu und ein neues Beispiel aus der Technik: Der Elektrotechniker weiss: Um viel Strom zu transportieren, ist ein geringer Widerstand nötig, denn sonst wird das Bauteil heiss und verbrennt bei zu viel Energie ... Wenn wir nun den Heilstrom empfangen oder weiterleiten wollen, ist es erforderlich, unseren geistigen Widerstand zu minimieren und ein transparentes Medium zu werden, d.h. unser Ego, oder besser gesagt, falsche Motive wie "name, fame and glory", Gier, narzisstische Gestörtheit, usw. abzubauen, seien sie nun individuell, kollektiv oder institutionell. Alle diese Korruptionen sind ebenfalls als Krankheiten zu betrachten und sind im Individuellen mit dem Vorgang des PremYogas relativ einfach heilbar. Wenn aber die Korruption verinstitutionalisiert, vermechanisiert und verritualisiert wurde, wie wir es z.B bei verschieden Religionen erleben, dann wird die Heilung schon schwieriger. Fundamentalismus ist eine dieser Korruptionen und hilfreich ist hier das Mantra: "Es gibt zwei Arten von Spiritualisten: 1. der Eklektiker (der Auswählende und Zusammensuchende) und 2. derjenige mit dem blinden Glauben!" ... oder: "Es gibt so viele Religionen wie Individuen!" (Gandhi)




"Dann geschieht ein Wunder" – "Ich denke, Sie sollten beim zweiten Schritt ausführlicher werden ..."


Religionen oder religiöse Institutionen sind vergleichbar mit Brunnen, in denen das Wasser mehr oder weniger stark verschmutzt ist (sonst wären sie voll von potenten Heilern ... und wir bräuchten gar keine Spitäler und keine pharmazeutische Industrie mehr). Das Wasser steht in diesem Vergleich für die spirituellen Wahrheiten, d.h. für die ewigen interkulturellen, sattvischen Gemeinsamkeiten auf dem spirituellen Vorgang, dem Pfad der Liebe. Die Verschmutzung des Wassers symbolisiert die kulturellen Dogmas, den blinden Glauben, die intellektuelle Korruption, die Selbstdefinition durch Abgrenzung, den Missbrauch von Machtstrukturen, den Chauvinismus und die Intrige für den Erhalt von Machtpositionen, die charismatische Manipulation aus falschen Motiven ... usw. Es kann schwierig sein, zu beurteilen, wie weit religiöse Institutionen oder ihre Persönlichkeiten echt sind. Leider ist es sehr häufig, dass religiöse Institutionen durch ihre Traditionen und Bräuche bedingt sind. Ihre Anhänger üben oft eine vermechanisierte Form der Ritualität aus, die einen hohen Grad an unnötigen Entsagungen, Gelübten und Schuldgefühlen fordert. Es gibt absolut keine Notwendigkeit für Schuldgefühle, da ein Schuldgefühl in sich selber nur die belastende, falsche Identifikation mit dem Radio-Tama-Guna ist, d.h. eine Identifikation mit der uns bedingenden, bindenden und illusionären Bedeckung, die in Wahrheit gar nicht zu uns gehört.

Die verschmutzten Brunnen dürfen wir aber nicht mit dem reinen Wasser verwechseln oder gleichsetzen. Besser als Brunnen sind Quellen, aber diese sind sehr selten, denn das sind die lebenden Heiligen, die eine direkte Verbindung zum Absoluten haben ... Der Vorgang im spirituellen Leben, in unserer ethischen Evolution ist Sadhiya, Sadhana, Sadhu-Sanga. Sadhiya bedeutet das Ziel der letztendlichen Befreiung – das Ziel unserer ethischen und spirituellen Evolution. Das Sadhana ist der Vorgang, mit dem wir unser Ziel anstreben werden, und ein Sadhu ist jemand, der in seiner ethischen Evolution fortgeschritten ist, das Ziel der Befreiung fest vor Augen hat, es selber anstrebt und von dem wir lernen können, was dieses Ziel ist und wie wir es anstreben können. Genauso wie eine korrupte Gemeinschaft oder Gesellschaft für eine Heilung sehr gefährlich sein kann, ist sie, wenn sie rein ist, für die Heilung sehr vorteilhaft.

Sadhu-Sanga bedeutet die Gemeinschaft mit wirklichen Sadhus und die ist notwendig, da sie uns das Ziel der Befreiung, den daraus entstehenden höheren Geschmack und ein direkt in unserem Körper spürbares Kraftfeld des göttlichen Heilstroms erfahren lässt.

Die hohe Kunst ist nun, die wirklichen Sadhus, welche die Früchte der Heilung vollbringen, von denen zu unterscheiden, die nur ein entsprechendes Kostüm angezogen haben und ein entsprechendes Charisma zur Schau stellen, ohne sich um Wahrheit zu kümmern.

Es lohnt sich hier, über die drei Gunas – die universelle und natürliche Skala der Ethik Bescheid zu wissen
(die wir im nächsten Kapitel bei Yoga behandeln), sonst können gelernte, charismatische oder sonstwie begabte Persönlichkeiten unser Unterscheidungsvermögen trüben und unsere Wahrheitssuche in die Irre leiten. Es ist für uns wichtig, dass wir sehen, was die eigentlichen Motive der Person sind. Ist es das Streben nach Geld oder "name, fame and glory" oder ist es die selbstlose, ehrliche, allumfassende Liebe?




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