"Sie kriegen nicht alles - aber Sie kriegen alles zurück!" (Woody Allen)






Karma = Aktion und Reaktion



Inhalt:

Karmayoga, das Yoga des Handelns

Karma und Reinkarnation geben viele Antworten auf die fundamentalen Fragen des Lebens.

Dr. Ian Stevenson - Der "Kopernikus" in der Erforschung der Reinkarnation

Sieben Erkenntnisse aus Karma und Reinkarnation

Der Reinkarnations- und Karmagedanke im Urchristentum



Der Grund, weshalb das Thema Karma und Reinkarnation hier so ausführlich behandelt wird, ist der, dass dieses Thema bei mir diese Weltbildveränderung ausgelöst hat, welche mich auf die Forschungsreise „Geist steht über Materie“ geschickt und zum Zusammenstellen dieser Webseite geführt hat.




Karmayoga, das Yoga des Handelns

Karmayoga bedeutet wörtlich übersetzt den Weg der Vereinigung (Yoga) durch das Handeln. Doch in der Vedanta Philosophie bedeutet das Wort Karma sowohl Handlung als auch die Auswirkungen einer solchen Handlung. Karma-Yoga ist der "Yoga der Tat" und bedeutet ein Handeln, ohne Anhaftung an seine Taten. Karmayoga wird oft auch als Yoga des selbstlosen (altruistischen) Dienstes verstanden.

Gelassenheit, Verzicht auf alles Verlangen nach der Frucht unseres Wirkens und ein Handeln, das als Opfer dem Erhabenen Herrn unserer Natur und der gesamten Natur dargebracht wird; das sind die drei grundlegenden Zugänge zu Gott auf dem Weg des Karma-Yoga der Bhagavad Gita. In der Bhagavad Gita (2.48) etwa lehrt Krishna: Gib die Anhänglichkeit auf, o Arjuna, und vollbringe, im Yoga gefestigt, deine Werke. Sei gleichmütig gegen Erfolg und Misserfolg. Gleichmut wird Yoga genannt.

Gandhi, der wohl berühmteste Karmayogi sagt dazu: "Er (der Kenner der Bhagavad Gita) ist nicht beeinflusst von den Geschehnissen und er reagiert natürlich auf sie und tut seine Pflicht angetrieben von dem grossen Maschinisten genauso wie ein Teil einer Maschine in guter Weise automatisch auf den Anruf des Maschinisten reagiert. Es ist die schwierigste Sache für ein intelligentes Wesen, sich wie eine Maschine zu verhalten. Und doch, wenn man selbstlos werden will, ist es genau das, was derjenige, der Vervollkommnung wünscht, werden muss. Der lebenswichtige Unterschied aber zwischen einer Maschine und einem Menschen ist, dass die Maschine leblos und der Mensch voll von Leben ist und er wird nur in voller Achtsamkeit in den Händen des Meistermechanikers wie zum Teil dieser Maschine. Krishna sagt in so vielen Wörtern, dass Gott alle Wesen verschiebt, als ob sie ein Teil einer Maschine wären." (Bapu's Briefe an Mira, Seiten 238-239)



Karma und Reinkarnation geben viele Antworten auf die fundamentalen Fragen des Lebens.

Karma und Reinkarnation (Handlung und die Reaktion auf die Handlung, die Wiedergeburt) sind universell und haben nichts mit einer bestimmten Religion oder "institutionalisierten Spiritualität" zu tun. Es handelt sich hier um wissenschaftlich bewiesene (siehe unten) Naturgesetze. Sie sind bekannt in allen Kulturen, und sie haben ihre Wirkung auf alle Menschen und Lebewesen, auf den Hindu, auf den Christen und den Moslem, auf den Westler und auf den Asiaten, Afrikaner, Amerikaner usw. Über die Hälfte der Menschheit glaubt an Karma und Reinkarnation, dennoch es ist nicht nur ein Hindu- oder Bhuddisten-Glauben. In allen Weltreligionen finden wir Spuren davon, sei es offen oder in Form von Geheimlehren.

"So wie ihr säet, so werdet ihr ernten". Karma ist ein indisches Sanskrit-Wort, das zugleich zwei Bedeutungen hat. Es bedeutet einerseits "die Handlung" und anderseits die "Reaktion auf die Handlung". Handlung und ihre Reaktion darauf sind untrennbar miteinander verknüpft, was im Begriff Karma zum Ausdruck kommt. Newton nannte dieses Naturgesetz in der Physik "die Gleichung von Aktion und Reaktion".

Seit 125 Jahren gibt es nun auch eine akademische Forschung zu diesem Thema, die sich um eine objektive Darstellung der Phänomene bemüht. Die Feldforschung der vergangenen Jahre hat entscheidend Neues beigesteuert. Heutzutage liegen Hunderte von anerkannten Wissenschaftlern gut dokumentierte und recherchierte Fälle vor, die starke Indizienbelege für die These der Wiedergeburt abgeben. Die Menge der Daten und Fälle ist so gross, dass das Phänomen als gesichert gelten kann. Ein kleiner Prozentsatz von Kindern in allen Kulturkreisen der Erde gibt an, sich an Fakten oder Ereignisse aus einem früheren Leben zu erinnern, die dann auch nachgeprüft worden sind. Die am besten belegten Hinweise stammen von spontanen Aussagen von Kindern zwischen ca. 2 und 6 Jahren.

Die Verdrängung des Reinkarnationsgedankens aus dem christlichen Glauben durch die katholische Kirche (Das Konzil zu Konstantinopel 553) reicht weit über das Individuelle hinaus – die katastrophalen Folgen betreffen den ganzen Planeten. Der engstirnige Gedanke, wir hätten nur ein Leben, hat die Weit- und Voraussicht des modernen Menschen vernebelt. Die Folgen der allgemeinen Verdrängung des Todes, der Wiedergeburt und der Spiritualität betreffen den ganzen Planeten und das ganze Ökosystem. In diesem doch eigensinnigen Glauben, dies sei das einzige Leben, das es zu geniessen gilt, hat der moderne Mensch keine Langzeitvisionen entwickelt und nichts hält ihn davon ab, den Planeten und seine Bewohner, die Menschen, die Tiere und Pflanzen aus kurzfristigem Eigeninteresse zu plündern. Der Tod ist aber nicht nur garantiert, er kann auch jederzeit und auch sehr plötzlich eintreten, und gerade deshalb sollten wir uns mit ihm befassen und auch mit dem, was wir (die ewige spirituelle Seele) beim Tod mitnehmen können: Unser feinstofflicher, geistiger und emotioneller Körper mit seinem feinstofflichen Rucksack, unserem Karma, das Ergebnis unserer Handlungen ... Unser aktueller, materieller Reichtum kann in unserem nächsten Leben verwendet werden, wenn wir ihn für gute Zwecke vor unserem Tod zu verwenden.

Karma und Reinkarnation geben viele Antworten auf die fundamentalen Fragen des Lebens. Die Religionen des Ostens beschreiben schon seit langem, dass die materielle Welt eine Maya, eine Illusion oder besser gesagt, eine virtuelle Realität ist. Karma hat sehr weitreichende Folgen, denn es ist das Naturgesetz von Aktion gleich Reaktion, sowohl bei negativen (leidvollen) wie auch bei positiven (glücksbringenden) Handlungen. Diese Welt ist wie ein sehr detailliertes Computerspiel und unsere Handlungen sind das, was dieses Spiel spielt. Wir sehen die Wirklichkeit jenseits des Spiels durch unser Training, Schritt für Schritt je mehr wir unser Ziel erreichen. Durch das Verbreiten von Glück werden wir Glück ernten; und jeder Mensch und jedes Lebewesen ist auf der Suche nach Glück. Unsere Handlungen bestimmen zum Beispiel in welcher Familie wir geboren werden, was für eine Erziehung und wie viel Gehirnsubstanz wir haben werden, usw. Das Ergebnis der positiven Handlungen wird unseren karmischen Radius von Erkenntnis, Befugnis, Handlung, Einfluss, Verantwortung und Liebe erweitern, usw.

Karma und der freie Wille. Allumfassende Liebe (Prem) steht in einer direkten Verbindung mit unseren Handlungen. Liebe ist nur möglich mit freiem Willen, und der Radius unseres freien Willens ist abhängig von unserem Karma. Unsere Liebe ist in unserem bedingten Zustand limitiert, denn sie ist vermischt mit unseren Trieben und mit einem chemischen Cocktail in unserem Gehirn (einer Produktion von Neuropeptiden und Neurohormonen). 100% freien Willen und Liebe haben wir nur, wenn wir befreit und erleuchtet sind. (Siehe weiter unten: Erkenntnis Nr. 4: Der karmische Freiheitsradius und der freie Wille).




Dr. Ian Stevenson - Der "Kopernikus" in der Erforschung der Reinkarnation

In Fachkreisen gilt Dr. Ian Stevenson als der Vater einer wissenschaftlichen Erforschung der Reinkarnation.

Das der scheue Kanadier einem breiten Publikum während seiner vierzigjährigen Forschung nahezu unbekannt geblieben ist, liegt an der streng akademischen Ausrichtung seiner Veröffentlichungen. Doch im Alter kommt dem ehemaligen Direktor der Psychologischen Fakultät der Universität von Virginia endlich die Anerkennung zu, die ihm gebührt.

Stevensons bisherige Anerkennung ist weitgehend auf ein Interview zurückzuführen, das er der "New York Times" gewährte. Unter dem zugegebenermassen etwas verwirrenden Titel "Sie könnten dies in einem früheren zukünftigen Leben lesen" berichtete der NY Times Redakteur Tom Shroder über Ian Stevensons langes Forscherleben. Initialmoment von Stevensons Arbeiten war der 1958 ausgeschriebene Wettbewerb der "Amerikanischen Vereinigung für Parapsychologie", dessen erster Preis demjenigen zugesprochen werden sollte, der den besten wissenschaftlichen Bericht über "Nachweise für ein Überleben der Persönlichkeit nach dem körperlichen Tod" liefern könne. Der junge Arzt und Psychiater Stevenson beteiligte sich an diesem Wettbewerb und gewann mit seiner Arbeit über "Nachweise vom Leben nach dem Tod durch behauptete Erinnerungen an frühere Inkarnationen".

Stevenson lieferte empirische Belege für die Reinkarnation. Seine Arbeit war die Festlegung empirischer Beweisverfahren bestimmter kindlicher Erinnerungen aus früheren Leben. Shroder, der für sein Interview Stevenson auf einer Reise nach Indien und in den Libanon begleitete, stiess auf so spektakuläre Fälle wie den eines 25-jährigen drusischen Mädchens, das sich an ein Leben als Frau erinnerte, die Monate vor der Geburt des Mädchens gestorben war. Im Alter von zwei Jahren kannte sie 13 Namen von Verwandten der Frau und konnte Teile ihrer eigenen Grabrede wiedergeben.

Dr. Jürgen Keil, der an der Universität von Tasmanien Feldstudien zur Reinkarnation leitet, fasst den Stand der Kenntnisse wie folgt zusammen:

1. Es gibt Kinder, die schon in einem sehr jungen Alter Aussagen über zuvor verstorbene Personen machen.

2. Übereinstimmungen dieser Aussagen mit Ereignissen aus "früheren Leben" können nicht durch den Zufall oder durch absichtliche Beeinflussungen erklärt werden.

3. Unbeabsichtigte Hinweise und andere normale Informationen könnten zum Teil für diese Übereinstimmungen verantwortlich sein.

4. Bei einer Auswertung von über 100 Fällen ergibt sich ein hoher Wahrscheinlichkeitswert, dass paranormale Vorgänge beteiligt waren.

Die beiden ersten Ergebnisse, so Keil, können als abgesichert angesehen werden. Weitere Untersuchungen und Auswertungen befassen sich hauptsächlich mit der Frage, ob und inwieweit paranormale Vorgänge bei diesen Fällen beteiligt sind.

Der häufig gemachte Vorwurf, Fälle erinnerter Leben würden vornehmlich im östlichen Kulturkreis auftreten und damit durch die vorherrschenden religiösen Dogmen quasi produziert sein, beantwortet Stevenson mit der Verdrängung von derlei Kenntnissen in der westlichen Hemisphäre. Im NY-Times-Interview mit David Wallis berichtet Stevenson von etlichen Briefen, die ihn erreichen und mit Bedauern feststellen, dass Äusserungen von Kindern nicht Ernst genommen wurden. Stevenson zitiert aus einem Brief: "Mein Sohn ist jetzt 12 Jahre alt. Ich wünschte, ich hätte von Ihnen gehört, als er zwei oder drei war. Er sagte, er sei Pilot bei einer Fluglinie gewesen, worauf wir ihm gesagt haben, er solle aufhören, Lügengeschichten zu erzählen. Jetzt erinnert er sich an nichts mehr."

Mit den Forschungen Professor Stevensons beginnt eine neue Epoche der Reinkarnation, urteilt Trutz Hardo in seinem Buch "Reinkarnation aktuell". "Vor ihm war die Reinkarnation eine Angelegenheit von Gläubigen und Esoterikern oder ein Spekulationsfeld für Philosophen und Okkultisten. Er hat den wissenschaftlichen Nachweis der Reinkarnation erbracht."


Replikationen (Versuchswiederholungen) zu spontanen Reinkarnationserinnerungen von Kindern
nach Stevenson

Ein wichtiges Element wissenschaftlicher Arbeiten besteht in der Überprüfung von Ergebnissen durch möglichst viele Wiederholungen der "Versuche" durch möglichst unabhängige Untersucher. Nur, wenn mehrere Forscher unabhängig voneinander zum selben Ergebnis kommen (und Ergebnis und Theorie zusammenpassen), kann das Ergebnis als gesichert gelten. Deshalb sei hier die Literatur solcher Autoren zusammengestellt, die Stevensons Arbeiten in eigener Regie nachvollzogen haben und ähnlich hohen Qualitätsstandard einhalten.

Replikationen zu Stevensons Arbeiten: Reinkarnationserinnerungen von Kindern
Autoren Titel Verlag/ Zeitschr. ISBN Inhalt
Pasricha, Satwant Claims of Reincarnation/ An Empirical Study of Cases in India Harmann Publishing
New Delhi
1990
81- 85151 - 27-X Doktorarbeit an der Universität Bangalore 1978. 60 nordindische Fälle ausgewertet, 58 davon in weniger, als 1/2 Jahr nach Bekanntwerden untersucht. Wissenschaftliche Arbeit mit sehr hoher Glaubwürdigkeit.
Mills, Antonia A Replication Study: Three Cases of Children in Northern India Who are Said to Remember a Previous Life Journal of Scientific Exploration, Vol. 3, No. 2, pp 133-184
1989
0892- 3310 /89 Schülerin von Stevenson. Untersuchung ohne Einflussnahme von Stevenson. Fall 3 "Titu Singh" sehr reichhaltig. Ausführliche Diskussion möglicher Fehlerquellen. Vergleich mit Ergebnissen von Stevenson.
Keil, Jürgen Kinder, die sich an "frühere Leben" erinnern/ Neue Falluntersuchungen und ein Vergleich mit den Ergebnissen von Ian Stevenson Zeitschr. für Parapsych. u. Grenzbeb. d. Psychologie, 36, Nr. 1/2, S. 3-21
1994
0028- 3479 23 Fälle aus Burma, Thailand, Türkei. 2 Fälle exemplarisch genauer geschildert und diskutiert.
Haraldsson, Erlendur Children Claiming Past Life Memories/ Four Cases in Sri Lanka Journal of Scientific Exploration, Vol. 5, No. 2, pp 233-261
1991
0892- 3310 /91 Bei 3 der 4 Fälle wurden Berichte niedergeschrieben, bevor Nachprüfungen begannen. 2 Fälle konnten gelöst werden. Dabei bestand vorab keinerlei Beziehung zwischen den Familien.
Haraldsson, Erlendur Children Who Speak of Memories of a Previous Life as a Buddhist Monk: Three New Cases Journal of the Society for Psychical Research, Vol. 63, No. 857, pp 268-291
Oct. 1999
0037- 1475 3 Fälle in Sri Lanka, wo es keine Tradition der Suche nach Wiedergeburten gibt. In 2 Fällen Aufzeichnungen vor der Nachprüfung. 2 Fälle gelöst.
Haraldsson, Erlendur Birthmarks and Claims of Previous-Life Memories: I. + II. Journal of the Society fpr Psychical Research,
Vol. 64
No. 858 + 859
Jan., April 2000
pp. 16-25; 82-92
  Der Fall "Purnima" in "I." ist besonders interessant, weil ein Obduktionsbericht die Wunden beschreibt, an denen die frühere Person gestorben ist und dies mit den Geburtsmalen in guter Übereinsimmung steht.
Mills, Antonia; Haraldsson, Erlendur; Keil, Jürgen Replication Studies of Cases Suggestive of Reincarnation by Three Independent Investigators Journal of the American Society for Psychical Research, Vol. 88, pp 207-219
July 1994
0003- 1070 Mills: 38 Fälle Indien; Haraldsson: 25 Fälle Sri Lanka; Keil: 60 Fälle Burma, Thailand, Türkei. Insgesamt 123 Fälle
Matlock, James G. Past Life Memory Case Studies Advances in Parapsychology Research, Vol. 6, pp. 184-267
1990
0- 89950 -495-7 Sehr guter Review-Artikel mit u. a. vielen weiteren Literaturangaben zu Replikationen.





Sieben Erkenntnisse aus Karma und Reinkarnation:

Erkenntnis Nr. 1: Die Sterbe-Rate ist immer noch 100%
Erkenntnis Nr. 2: Karma: "So wie ihr säet, so werdet ihr ernten"
Erkenntnis Nr. 3: Es muss eine kosmische Intelligenz geben
Erkenntnis Nr. 4: Der karmische Freiheitsradius und der freie Wille
Erkenntnis Nr. 5: Instant-Karma: Das direkte Karma
Erkenntnis Nr. 6: Karma in der "Financial Economy"
Erkenntnis Nr. 7: Das Beenden von Karma und Reinkarnation






Erkenntnis Nr. 1: Die Sterbe-Rate ist immer noch 100%.

Wenn ein Ereignis mit so hoher Wahrscheinlichkeit eintrifft, dann sollten wir uns damit befassen ... und uns diesem Thema einmal von einer nüchternen Seite her annähern. Wenn man die oben genannten wissenschaftlichen Indizien der Karma- und Reinkarnationsforschung einmal kurz weglässt, dann gibt es objektiv betrachtet beim Tod eigentlich nur zwei gleichermassen wahrscheinliche Möglichkeiten:

1. Man stirbt für immer oder 2. man lebt in irgendeiner Form weiter.


Bei der ersten Möglichkeit gibt es nicht viel zu diskutieren. Das Lebewesen löst seine Individualität auf, der Körper verwandelt sich in den Kot der Würmer (oder anderer Lebewesen) oder er wird zu Asche.

Ein intelligenter Mensch wird aber sein Leben nach der 2. Möglichkeit; dem "es wird weitergehen" ausrichten, damit er sich auf der sicheren Seite befindet. Falls dann doch die 1. Möglichkeit zutrifft, spielt es sicherlich keine Rolle, wie er gehandelt hat. Falls aber die 2. Möglichkeit zutrifft, dann spielt es sehr wohl eine Rolle, wie er seine Zukunft vorbereitet hat, denn "jeder ist seines zukünftigen Glückes eigener Schmied".

Die ganze Jugend bereiten sich viele Menschen mit einer mühsamen Ausbildung oder Studium auf das Leben vor, aber nicht für das oder die Leben danach ... - Ist das nicht in höchstem Masse unlogisch? Wenn wir jemand in einem Zug antreffen und ihn fragen, wohin er fährt und er antwortet: "Ich hab keine Ahnung, wohin der Zug fährt und es interessiert mich auch nicht, wohin der Zug fährt ...", dann denken wir: "Hmm, der hat sicherlich ein kleines Problem! - der braucht vielleicht Medikamente ...?"

Bei der zweiten Möglichkeit, dem Weiterleben, gibt es nun die folgenden zwei Varianten:

Erstens, man lebt,
wie uns verschiedene Religionsangehörige erzählen, nach diesem Leben nur noch ein einziges ewig weiter und zwar je nachdem, wie man sich in diesem jetzigen Leben verhalten hat, in einer ewigen Hölle oder einem ewigen Himmel (z.B. mit einer Harve in der Hand oder für den muslimischen Djihad-Bruder mit 72 Jungfrauen).

Die zweite Variante wäre, dass man schon durch viele Leben hindurchgegangen ist und man (sofern man will) noch durch viele Leben weiterwandern wird, wobei die jeweiligen Leben dann eine logische Fortsetzung der Neigungen, Handlungen und Wünsche des Individuums sind

Diese 2. Variante der 2. Möglichkeit erscheint am wahrscheinlichsten, denn wir sehen um uns sehr viele Menschen mit ganz verschiedenen Neigungen, Fähigkeiten, Eigenschaften und Möglichkeiten. Das Wissen über die Reinkarnation macht es verständlich, weshalb die einen in den Slum von Rio de Janeiro geboren werden und andere in die Elite des Jet Sets. Das als den unergründlichen Willen oder als eine Ungerechtigkeit Gottes zu deklarieren ist zu billig, denn das würde einer Allgüte Gottes widersprechen.

Ebenso unbegreiflich ist diese Idee der ewigen Verdammnis in der Hölle, denn die widerspricht auch der Allgüte Gottes. Diese Idee der ewigen Hölle ist ein Propagandawerkzeug einer "christlichen" Institution aus dem dunklen Mittelalter. Damals hiess es; "wenn die Münze im Kasten klingt - die Seele aus dem Fegefeuer springt!" Ursprünglich waren aber das Wissen über Karma und Reinkarnation und das Prinzip des freien Willens der spirituellen Seele feste Bestandteile im Frühchristentum. Und wie sagt auch das christliche Sprichwort? "So wie ihr säet, so werdet ihr ernten" oder anders gesagt: "Jeder kreiert sein eigenes Karma."

Je mehr ich das Konzept von "mir" und "mein" loswerde, desto mehr bin ich in der Lage, die Liebe zu meinem Nachbarn zu zeigen. Ich werde so immer mehr spirituelles Glück in mir erfahren und alle negativen Situationen meistern. Wenn ich nicht wahres Glück in mir finde, dann kann ich noch so viele Besitztümer besitzen und noch so viele Dinge ausprobieren und ich will immer nur weiter auf der Suche nach dem Glück sein, Leben nach Leben, wie in einem sehr langen Alptraum ...

Erkenntnis Nr. 2: Karma: "So wie ihr säet, so werdet ihr ernten"

Karma ist ein wichtiges Grundgesetz in der Lernmaschine Universum und ein wertvoller Besitz, den wir haben, denn Karma ist das, was wir nach dem Tod mitnehmen können.

Denn, wie schon erwähnt, der Tod ist nicht nur 100% garantiert, er kann auch jederzeit und plötzlich eintreten.

Jetzt, in diesem Moment, könnte es ein Erdbeben geben, das Dach könnte uns auf den Kopf fallen und uns unsere Hirnmasse aus unserem Schädel drücken. Dann verlieren wir aus heiterem Himmel alle unsere Konzepte, unseren Besitz, unseren Beruf, unsere gewohnte Umwelt, unsere Bekanntschaften und all das, für das wir so hart gearbeitet und angehäuft haben. Das, was wir aber nicht verlieren werden und mit uns mitnehmen müssen, ist unser Karma – die Reaktionen auf unsere guten und schlechten Handlungen, Worte, Gedanken und Wünsche.

Deshalb unser Slogan: "Unser Karmakonto müssen wir pflegen, denn das bleibt an uns kleben ..."

Unseren Reichtum können wir also ironischerweise nur dann mit uns mitnehmen, wenn wir ihn zu einem guten Zweck gespendet haben. Es ist Illusion zu denken, dieses hart verdiente Geld gehöre mir. Ich bin zwar der momentane Verwalter dieses Geldes und ich sollte es auch vor Dieben, Betrügern und Verschwendung beschützen, aber wenn ich, in meiner Illusion, die Früchte meiner Handlungen egoistisch und separat vom Ganzen "selber" oder nur in "meinem" kleinen Kreis "meiner" Familie, "meinem" Land, "meiner" Rasse, "meiner" Religion oder "meiner" Spezies zu geniessen versuche, werden diese Früchte die Ursache von meinem zukünftigen Leid sein.

Wir möchten anerkennen, dass alle Menschen und Lebewesen Teile eines universellen Ganzen sind, und dass der Weg zum wirklichen Glück zu finden ist, indem wir uns für dieses universelle Ganze einsetzen, und die Früchte unserer Handlungen diesem universellen Ganzen widmen. Die Art der Handlung ist uns wichtig, aber noch wichtiger als die Art mit der wir unser Geld verdienen, ist uns die Art mit der wir unser Geld, die Früchte unserer Handlungen und Neigungen, ausgeben – denn beim Ausgeben haben wir die volle Kontrolle, viel mehr jedenfalls, als im Berufsleben.

"Wenn man nur die Blätter eines Baumes befeuchtet und nicht seine Wurzel, dann wird er mit der Zeit verdursten. Das einzelne Blatt ist aber voller Lebenskraft, wenn das Wasser über die Wurzel dem ganzen Baum zugeführt wird."
(Bhagavad Purana 4.31.14)

"Wenn du den Egoismus ein wenig loslässt, dann wirst du ein wenig glücklich werden. Wenn du den Egoismus stärker loslässt, dann wirst du stärker glücklich werden. Wenn du aber den Egoismus vollständig loslässt, dann wirst du vollständig, immer und unablässig glücklich sein, denn du bist frei von Zeitweiligkeit, Unwissenheit, Leid, Alter, Krankheit, Geburt und Tod." (Siddharta)

"Das Selbst, das vom Bösen befreit ist, das alterlose, todlose, kummerlose, hungerlose, durstlose, dessen Wünsche wahr werden und sich verwirklichen, dessen Vorstellungen wahr sind und keine Illusionen – das muss man suchen, das muss man zu erkennen trachten. Alle Welten erlangt der und alle Wünsche, der dieses Selbst findet."
(Chandogya-Upanishad, zum Samaveda)




Erkenntnis Nr. 3: Es muss eine kosmische Intelligenz geben

In der Lernmaschine Universum, in diesem grossen Spiel des Lebens, bestehen allgemeingültige und feste Richtlinien und Spielregeln, welche die Beziehungen, Lebensumstände und Schicksalsschläge der einzelnen Lebewesen nach ihren früheren und auch momentanen Handlungen koordinieren. Einen freien Willen (oder besser gesagt; einen durch einen karmischen Freiheitsradius mehr oder weniger begrenzten freien Willen) hat jeder, das Problem ist nur, dass sich der freie Wille der einzelnen Individuen oft überschneidet (siehe auch weiter unten: Karma und der freie Wille). Um diese Überschneidungen zu erfassen, braucht es nun ein Didaktisches (lehrendes) Operating System (DOS) und das wird in der altindischen Literatur als Paramatma (Para-Atma), die Überseele beschrieben.

Die altindische Astrologie ist z.B. sichtbar an den Stellungen der Planeten im Geburtshoroskop, aber auch in den Händen des Menschen (Handlinien, Berge, Täler usw.). Das zeigt, dass wir spirituelle Individuen in einer Art "Virtual-Reality" sind, in einem Computer-Lernprogramm, und dass das Sonnensystem so etwas wie ein riesengrosses Karma-Uhrwerk ist, das uns umgibt und die Form unseres karmischen Freiheitsradius ständig verändert. Unsere Körper sind so etwas wie Bioroboter, mit denen wir dieses Spiel spielen und dass die Handlinien mit den Planeten übereinstimmen, das ist doch eine Beweisführung für die Existenz Gottes oder einer ordnenden, kosmischen Intelligenz - dieses Didaktischen (lehrenden) Operating System (DOS)?

Ralph Waldo Emerson beschreibt das im positiven Sinne mit folgenden Worten: "Wenn Du die Menschen liebst und Ihnen dienst, kannst Du durch keine List der Belohnung entgehen. Geheime Vergeltungen stellen immer das Gleichgewicht der göttlichen Gerechtigkeit wieder her." (in Lectures and Biographical Sketches, 1868)

Die altindische, vedische Karma-Philosophie erklärt, dass hier das Wirken der Hand Gottes sichtbar wird, der mit dem Aspekt als die alldurchdringende Überseele sämtliche individuelle Seelen auf ihrer Wanderung durch die verschiedenen Körperformen begleitet. Die Bhagavad Gita beschreibt diesen speziellen Aspekt Gottes unter anderem in dem Vers 13.23:

"Neben der individuellen Seele gibt es in jedem Körper noch einen anderen, transzendentalen Besitzer, der als Beobachter und Erlaubnisgeber gegenwärtig ist und der als Überseele (Paramatma) bezeichnet wird."


oder auch 18.61:

"Die Überseele (Paramatma) weilt im Herzen jedes Lebewesens, und lässt das Lebewesen (Atma) im Banne der Illusion (Maya) in einer Maschine umherwandern, die aus materieller Energie besteht."


Die altindischen Schriften, wie das Mundaka Upanishad und das Svetasvatra Upanishad, vergleichen die individuelle Seele (Atma) und die Überseele mit zwei befreundeten Vögeln, die im selben Baum sitzen. Einer der beiden Vögel (die individuelle Seele, Atma) isst die süssen und bitteren Früchte des Baumes, während der andere Vogel ihm dabei zuschaut.

Diese beiden Vögel fliegen von einem Baum zum anderen, von Körper zu Körper. Von diesen Vögelpaaren gibt es unzählige und der essende Vogel (Atma) ist immer ein anderer, aber der Vogel der zuschaut (Para-Atma) ist immer ein und derselbe.

Mundaka Upanishad (3.1.2) and Svetasvatra Upanishad (4.7):

"Obwohl die beiden Vögel sich im selben Baum befinden, ist nur der essende Vogel sehr beschäftigt mit dem Geniessen und dem Erleiden der Früchte. Aber wenn er sein Gesicht zum anderen Vogel hinwendet, zum allwissenden, persönlichen Aspekt des Absoluten, dann verliert er sofort alle Leiden."

Die Funktion der Überseele besteht darin, die zahllosen Wünsche und Tätigkeiten jedes einzelnen Lebewesens zu registrieren und gegebenenfalls deren Erfüllung zu veranlassen sowie die neuen Tätigkeiten und Motive der Lebewesen zu beobachten und ihnen entsprechende Reaktionen zukommen zu lassen.

Und das gilt für viele Milliarden von Lebewesen, welche ein unendlich komplexes und multidimensionales Netzwerk aus Aktion-Reaktions-Paaren aufbauen. Das ist die Überseele, das Operating-System des Universums; der Matrix in einer riesigen Lernmaschine, der auch für modernste Hochgeschwindigkeitsrechner der Menschen unmöglich zu erfassen wäre.

Diese Aktion- und Reaktions-Paare beeinflussen auch die DNA-Strukturen der Lebewesen. Die DNA-Speicher in den Zellen sind ein weiteres Wunder dieser kosmischen Intelligenz, denn sie sind das leistungsfähigste und höchstentwickelte Speichermedium, das auf dem kleinsten Raum existiert und diese Daten werden mit kleinsten molekularen Maschinen umgewandelt, kopiert und zusammengebaut. Wer glaubt da noch an den Zufall?

Dieses System kann nicht durch Zellteilung, natürliche Selektion, lange Zeitabstände und Zufall entstanden sein, denn es ist einer der wichtigsten Bestandteile und die Voraussetzung der Zellen selbst. Dieses System wurde von eine kosmischen Intelligenz entworfen, gebaut und erhalten.

Die altindische Literatur geht sogar noch weiter, indem sie beschreibt, dass das verkörperte individuelle spirituelle Lebewesen nicht einmal selbstständig z.B. den kleinen Finger bewegen kann. Es kann nur den Wunsch empfinden den kleinen Finger zu bewegen zu wollen und der Para-atma leitet es in die Wege, dass die Materie dieses kleinen Finger sich bewegt.

Und die Simulation des Bioroboters (in dem wir uns befinden) ist dann so perfekt, dass das Lebewesen sich in seiner Illusion bestätigt fühlt, es sei dieser Körper und so ungestört seinen Wünschen nachgehen kann (innerhalb des karmischen Freiheitsradius). Die Paramatma ist somit auch die Schnittstelle zwischen der spirituellen Seele und der vergänglichen Materie.



Erkenntnis Nr. 4: Der karmische Freiheitsradius und der freie Wille

Wie passt die Auffassung des freien Willens mit der Vorbestimmung von Karma und Reinkarnation zusammen?

Der erweiterte Radius des freien Willens ist eine Besonderheit des Menschen. Wir müssen diesen freien Willen verantwortungsvoll umgehen, denn er ist Geschenk, das uns übergeben wurde. Natürlich ist unser freier Wille beschränkt, denn wir sind frei und doch nicht frei. Wir können mehr oder weniger frei z.B. unser Ferienziel auswählen und nach New York fliegen, aber nur mit einem Flugzeug und wenn wir genug Geld auf dem Bankkonto haben.

Um den nur scheinbaren Widerspruch von Karma und dem freien Willen zu illustrieren, können wir das Beispiel des Segelschiffes, das gegen den Wand ankreuzt und das Beispiel des Pferdes, das mit einem Seil an einen Baum angebunden ist, anführen:

Zuerst einmal: Ist das angebundene Pferd frei oder nicht?



Die logische Antwort ist; es ist frei innerhalb eines klar bestimmten Aktionsradius. In ähnlicher Weise ist unser Erkenntnis-, Freiheits- und Aktionsradius durch unser Karma bestimmt, also durch unsere früheren Handlungen, ausgeführt mit einem damaligen mehr oder weniger grossen Aktionsradius oder eben "karmischen Freiheitsradius".

Wenn wir nun dieses Beispiel weiterführen und feststellen, dass das Seil am Baum aufgewickelt ist, dann erkennen wir, dass der Aktionsradius des Pferdes immer weiter abnehmen wird, wenn es weiterhin in der einen Richtung um den Baum läuft.

Aber wenn es in die andere Richtung um den Baum läuft, wird sein Aktionsradius wieder zunehmen.

Und wenn es weiterhin in diese Richtung läuft, dann wird sein Freiheitsradius immer weiter zunehmen, bis wir feststellen, dass das Seil vom Baum abgefallen ist und wir erkennen, dass das Pferd eigentlich gar nie angebunden war. Dieses Abfallen des Seiles symbolisiert unsere Befreiung vom Karma und vom Kreislauf von Geburt und Tod und die Gehrichtung um den Baum symbolisiert das schlechte oder das gute Handeln, oder welchem Guna wir uns auf der Guna-Skala, der universellen Skala der Ethik, zugewendet haben.

Wir können karmische Einflüsse auch mit den Winden vergleichen, die zwar einen starken Einfluss auf ein Segelschiff haben, aber dennoch seinen Kurs nicht bestimmen, denn der erfahrene Segler weiss, wie man z.B. 90 Grad zum Wind segelt oder gar gegen die Winde aufkreuzen kann. Gegen den Wind aufkreuzen ist sicherlich mühsamer und langsamer als mit dem Wind zu segeln, aber wenn der Wind nicht von der geeigneten Seite bläst, dann ist es notwendig, das zu tun.



Erkenntnis Nr. 5: Instant-Karma: Das direkte Karma


Die Schlussfolgerung des vorangegangenen Vergleiches ist, dass die Philosophie des Karma-Naturgesetz den Gebrauch unseres freien Willens nicht schwächt, sondern das wir mit unseren Aktionen behutsamer vorgehen und sie nach dem Prinzip der Vermeidung von unnötiger Gewalt ausrichten werden.

Oft führt das Karma-Naturgesetz, wenn es falsch verstanden wird, zu einer gewissen Lethargie. Zu Fatalismus führen z.B. Sprüche wie: "Es steht auf jedem Reiskorn geschrieben, durch wessen Mund es muss" oder "Wenn jemand das Karma nicht hat, reich zu werden, kann er so lange und hart arbeiten wie er will; er wird nie reich." Speziell der letzte Satz ist unlogisch und ein Widerspruch in sich selbst, denn er vernachlässigt das so genannte Instant-Karma oder auf gut Deutsch; das direkte, sofortige Karma, denn mit jeder momentan ausgeführten Handlung verändern wir unser Karma und "fälschen" die "vorherbestimmten" Quanten vom Leid oder Glück mehr oder weniger ab.

Gewiss gibt es Karma, dessen Ursache ein oder viele Leben zurückliegt. Zum Beispiel, wenn man in eine reiche Familie geboren wird und mit netten Eltern eine glückliche Kindheit hat, usw. Aber es gibt auch Handlungen die sofortige karmische Reaktionen auslösen. Beispielsweise die für uns alle machbare Erfahrung des Trinkens einer Flasche schlechten Weins. Die Reaktion (Karma) auf diese unnötige Gewalt gegen uns selber hat eine sofortige Wirkung auf uns und unser Bewusstsein. Und eine neue nachhaltige Wirkung, wenn es kurz vor einem Bewerbungsgespräch stattgefunden hat.

Die Aussage: "Wenn jemand das Karma nicht hat, reich zu werden, kann er so lange und hart arbeiten wie er will; er wird nie reich." ist deshalb unlogisch, weil wir gar nicht wissen, was für Handlungen unser mutmasslicher Pechvogel noch vollbringt. Vielleicht hat er im Moment zugegebenermassen karmisch einen schlechten Wirkungsgrad, weil er keinen sehr intelligenten Eindruck auf uns macht. Aber selbst in diesem Falle ist sein baldiger Reichtum sehr gut möglich, denn es mag ja sein, dass ihm gerade eine heilige Person über den Weg läuft, unser Pechvogel eine gute Minute hat und der heiligen Person eine Spende gibt oder über die Strasse hilft.




Erkenntnis Nr. 6: Karma in der "Financial Economy"

Der Begriff Karma ist der grosse Spielverderber für alle ausbeuterischen Egoisten und Hedonisten, Boni-Damager und korrupten Politiker. Ein Mensch, der den Karmagedanken verstanden hat, der bringt es nicht über sich, seine Mitmenschen bis zum Maximum auszubeuten und dann mit dem Privatjet nach Las Vegas zu fliegen und dort an einem Abend mehrere Millionen zu verschleudern. Karma hat im Individuellen eine Wirkung, aber auch im Kollektiven in Form von kollektivem Karma.

Die Unwissenheit über Karma und Reinkarnation hat Folgen, die weiter reichen, als wir uns gemeinhin vorstellen. Eine dieser Folgen ist die moderne Form der verantwortungslosen Geldwirtschaft, der "Financial Economy", dem Casino der Spekulationswirtschaft, welche die Schere zwischen Arm und Reich immer schneller öffnet: Die reichsten 4 Menschen haben mehr Besitz als 1 Milliarden Menschen, die Anzahl von Millionären wird immer grösser und die Mittelschicht, die nicht von Gewinnen und Zinsen aus dem Investment, sondern von ihrer ehrlichen Arbeit lebt, sinkt ans untere Ende der Skala.

Während ein Otto-Normalverdiener in einem Monat 2,500 Euro verdient und ein Spitzenverdiener, sagen wir einmal 25,000 Euro, verdient ein 50-facher Millionär bei 6% Zinsen ohne zu arbeiten 250,000 Euro im Monat und ein 500-facher Millionär 2,500,000 Euro. "Aber es gibt nichts gratis!" Arbeitendes Geld = Karma im Geld! Die Illusion bei den Zinsen und Zinseszinsen steckt in einem, den meisten Investoren völlig unbekannten, Problem, denn Geld, das "am Arbeiten" ist, produziert Karma für den Besitzer dieses Geldes.

Karma = Handlung und zugleich; die Reaktion auf diese Handlung: "Und so wie ihr säet, so werdet ihr ernten" – Das Naturgesetz von Karma bedeutet, dass jeder Investor genau wissen muss, wie sein Geld im Einzelnen investiert ist und "was es genau macht". Es ist deshalb für die ethische Evolution eines jeden Investors von grösster Wichtigkeit, dass er genau weiss, wohin sein Geld fliesst. Nur auf diese Weise kann er sich vor negativem Karma schützen.

Wenn nun der Otto-Normalverdiener sein Geld beispielsweise in einem Bank-konto oder in einem Fond an eine Bank verleiht und andere mit diesem Geld arbeiten, dann unterstützt er mehr oder weniger saubere Geschäfte. Geschäfte, von denen er nichts weiss und auf die er keinen Einfluss hat, die aber mehr oder weniger negatives Karma produzieren, und je nachdem wie viel Zins er von dieser Bank ausbezahlt bekommt, erhält er einen entsprechenden Teil vom Karma, d.h. die erwünschten und unerwünschten Reaktionen von diesen Tätigkeiten.

Was bedeutet das? Es ist fast so, als würde man in einer Stadt mit einer hohen Mordrate eine geladene Pistole auf einer Parkbank liegenlassen. Was würde der Richter sagen, wenn mit dieser Waffe eine Straftat verübt würde? Im Falle von Zinsen aus unbekannten Geschäften verdienen wir aber obendrauf noch Geld dazu. Wenn nun dieser oben erwähnte 500-fache Millionär pro Monat mit seinen 6% Zinsen ohne zu arbeiten 2,500,000 Euro verdient, so ist das eine riesige Karmalast, die er in Zukunft tragen muss, denn er unterstützt mit seinen Millionen unheimlich viele mehr oder weniger saubere (heutzutage mehrheitlich umweltzerstörerische) Geschäfte, von denen er im Detail überhaupt keine Ahnung hat. Das ist seine ethische Devolution: An diesem Karma kaut der Herr Millionär für viele Leben.

Das heutige Zinssystem funktioniert nur, weil Karma und Reinkarnation ignoriert werden und die daraus resultierende wachsende Ungleichheit von extremer Armut und Reichtum ist das globalisierte ausbeuterische Öffnen der Schere von Arm und Reich. Das Geld fliesst zum Geld, denn durch die Zinsen erhält es so etwas wie eine Gravitation und die Grossen werden immer grösser. Durch die Zinsen und Zinseszinsen wird so die Gesamtgeldmenge weltweit auf eine immer kleinere Anzahl von immer reicher werdenden Menschen umverteilt, während zugleich immer mehr Menschen verarmen. Wegen diesen Zinsen und Zinseszinsen wird Geld gehortet, weil man in der Illusion ist, dass man an ihm, ohne viel zu arbeiten, etwas Gutes verdienen kann, und dieses Horten von Geld entspricht dann den gefährlichen Blockaden, Arterienverkalkungen und Blutgerinnseln im Geldkreislauf des sozialen Körpers.

Diese Jokereigenschaft des Zinsgeldes macht die Reichen immer reicher und zwingt alle anderen, wenn sie nicht im gleichen Umfang ärmer werden wollen, zu einer andauernden Steigerung ihrer Leistung, und so arbeiten sie wie emsige und unwissende Ameisen, denen ständig mit dem Fuss ein Loch in den Ameisenhügel getreten wird. Dies nennt man dann beschönigend: "Wachstum" (Wachstumszwang).

Eine ständige Leistungssteigerung kann aber bei begrenzten menschlichen Kräften und einer begrenzten Welt auf Dauer nicht erbracht werden, und somit müssen alle vom Zinsgeld geprägten Wirtschaftssysteme immer und immer wieder zusammenbrechen, denn sie sind nach ihren eigenen mathematischen Regeln zu Instabilität, Verfall und Revolution verurteilt. Es gibt Alternativen! Ein indischer Guru sagte einmal: Feuer und Schulden muss man sofort löschen! Ein prägnanter Satz mit viel Weisheit ...

Wie können wir den Zins vermeiden? Auf der individuellen Ebene ist das ganz einfach: Indem wir auf ihn verzichten, ihn boykottieren und ihn nicht annehmen; indem wir Verantwortung übernehmen und z.B. keine Schulden und Hypotheken aufnehmen, und unser Geld anderweitig positiv einsetzen. Und wenn man nun nicht weiss, wie man sein Geld gescheit investieren soll, dann wäre eine Investment-Alternative z.B. Gold und Silber, denn dann ist der Wert im Metall gebunden. Niemand mehr macht schmutzige Geschäfte damit und das Papiergeld-Zinssystem ist übergangen und sabotiert. Karmisch gesehen noch besser als Gold kaufen ist natürlich das Investieren oder Spenden zu einem guten Zweck. Wir sehen, die Folgen des Nichtbeachtens von Karma und Reinkarnation sind sehr weitreichend.

Das Wissen über Karma und Reinkarnation ergibt eine positive Lebenseinstellung, wohltuend für uns selbst und auch für unsere Umwelt. Es ist der vielverzweigte Weg des sich vergrössernden oder verkleinernden freien Willens. Das Ziel der Reinkarnation ist, den Freiheits-, Erkenntnis- und Liebesradius soweit zu vergrössern, dass wir schliesslich die Reinkarnation beenden können.

Wir stehen nun vor dem folgendem Entschluss: "Ich will aus diesem so leidvollen Kreislauf von Geburt und Tod aussteigen. Ich will ausbrechen und aufhören, meine Gefängniszelle zu dekorieren. Ich bin mir das doch selber schuldig! Ich will dieses Ziel meiner individuellen ethischen Evolution nicht mehr aus den Augen verlieren!

Wie diese Gefängniszelle nun aussieht sehen wir im Kapitel: Jyotish, Vedische (altindische) Astrologie ... und wie wir aus ihr ausbrechen und unser Karma auflösen können, das sehen wir bei Yoga ...





Erkenntnis Nr. 7: Das Beenden von Karma und Reinkarnation

"Bei dieser Bemühung gibt es weder Verlust noch Minderung, und ein wenig Fortschritt auf diesem Pfad kann einen vor der grössten Gefahr bewahren." Bhagavd Gita 2.40

Wir müssen im Jetzt, wenn möglich noch in diesem Leben, aus dem Kreislauf von Karma und Reinkarnation heraustreten. Ein Herabsinken in die tierischen Lebensformen sollte unbedingt vermieden werden.

Wenn wir auf der Autobahn oder im Zug fahren, dann fällt es einem erst so richtig auf, wie viele Seelen in pflanzlichen Lebensformen verkörpert sind... Wenn wir nur ein paar Kubikmeter Erde ausheben, dann haben wir mehr verkörperte Seelen herumgeschaufelt als sich Menschen auf der Erde befinden!

Die logische Schlussfolgerung ist, dass es sehr lange dauern kann, bis wir wieder eine menschliche Lebensform erhalten, falls wir (dummerweise) in das Reich der Tiere und Pflanzen eingegangen sind. Um diese Wanderungen der Seelen durch alle diese Lebensformen zu illustrieren, können wir einen Vergleich aufstellen:

Und zwar am Besten mit Hilfe der Geisterbahn "Haunted Mansion" im Disneyland von Los Angeles. Diese Geisterbahn besteht aus einer langen Kette von aneinander gehängten kleinen Wagen, die sich kontinuierlich, rauf und runter, durch das Geister-Labyrinth bewegt. Um sich auf die Sitze zu begeben, muss man zuerst auf ein Förderband treten, damit man die gleiche Geschwindigkeit wie die Wagenkette hat, und wenn sich der Wagen durch das ganze Labyrinth geschlängelt hat, dann steigt man wieder auf dieselbe Weise aus, oder man bleibt sitzen und schaut sich die ganze Show noch einmal an - das wäre dann die Analogie für das Beenden oder Weiterführen der Reinkarnation.

Und um unser Lebensformen-Beispiel proportional zu verdeutlichen, nehmen wir jetzt diese selbe Art von Geisterbahn und bauen sie in die Cheopspyramide ein. Wir sehen nun, dass sich die wenigsten Wagen in der Spitze der Pyramide befinden, die meisten jedoch im unteren Teil der Pyramide. Wenn sich die Kette nun zu bewegen beginnt erkennen wir auch, dass der Aufenthalt der Wagen in der Spitze viel kürzer ist als in den unteren Teilen der Pyramide.

Das Volumen der Spitze der Pyramide entspricht der Anzahl der Seelen in den menschlichen und höheren Lebensformen, die Mitte der Pyramide entspricht der Anzahl der Seelen in den tierischen Lebensformen und der untere Teil entspricht der Anzahl der Seelen in all den verschiedenen Pflanzenkörpern, Algen, Korallen, Bergkristallen, Mikrobenkörpern, Viren und all den anderen winzigen Lebensformen.

Der Eingang und der Ausgang dieser Körper-Geisterbahn befinden sich nun zu oberst in der Spitze dieser Pyramide bei den menschlichen oder höheren Lebensformen. Nur hier hat die Seele einen so dünnen Biofilter vor dem Bewusstsein und einen entsprechend grossen karmischen Freiheitsradius, dass sie sich entscheiden kann, sich zu erheben und aus dieser Körper-Geisterbahn auszusteigen oder sitzenzubleiben und wieder in die tieferen Regionen dieser Pyramide der Illusionen hinabzusinken.

Nach einigen Leben in der menschlichen Lebensform, wenn sich die Seele nicht mehr um ein Voranschreiten in der ethischen Evolution der Selbstver-wirklichung und Selbsterkenntnis kümmert und in eine ethische Devolution umschwenkt, d.h. sich in den Aktivitäten der unnötigen Gewalt betätigt, wird ihr die Verantwortung des freien Willens wieder entzogen. Sie taucht dann in die unteren Regionen der Pyramide ein, wo sie kein negatives Karma mehr anhäufen kann und den tierischen Egoismus ungestört ausleben kann. Wenn die Seele wieder in tierische und pflanzliche Lebensformen eingetaucht ist, kann sie kein Karma mehr anschaffen, sondern nur noch Karma abtragen. Es kann unter Umständen sehr lange dauern bis die Seele wieder einen menschlichen Körper hat, aber diese Zeit ist relativ, denn aus der Perspektive der Ewigkeit der spirituellen Seele sind selbst ein paar trilliarden Leben nur ein unendlich kurzer Traum!

Hier hört auch unser Vergleich mit der Achterbahn in der Pyramide auf, denn im Leben gibt es keine festen Geleise und den mehr oder weniger freien Willen, der, auch wenn er karmisch eingeschränkt ist, das oberste Prinzip im Universum ist. Wir sehen, unsere Situation in dieser Welt ist, wenn wir nicht achtsam sind und uns unkontrolliert gehen lassen, viel unstabiler als wir gemeinhin denken, denn karmisch negative Handlungen führen zu Unwissenheit (Tama-Guna) und somit zu vermehrt negativen Handlungen und karmisch positive Handlungen führen zu Einsicht und Weisheit und somit zu vermehrt positiven Handlungen.

Mit dem Karma- und Reinkarnationsgedanken wird einem der Wert der ethischen Evolution und die Gefahr von unethischem Handeln erst so richtig vor Augen geführt.
Wenn wir Karma und Reinkarnation und die Instabilität unserer Situation verstanden haben, dann müssen wir alles daran setzen, in diesem Leben die Erleuchtung zu erlangen, um aus dem Kreislauf von Karma, Krankheit, Geburt und Tod herauszugelangen.







Der Reinkarnations- und Karmagedanke im Urchristentum
543 n. Chr.: Die Beseitigung einer Säule des christlichen Glaubens

Karma und Reinkarnation wurden aus politischen Gründen, um dem römischen Kaiser zu gefallen und um das Christentum zur etablierten Staatsreligion zu erheben, von der katholischen Kirche bei der Synode zu Konstantinopel 543 n. Chr. und beim Konzil von Konstantinopel 553 n. Chr. gestrichen und bald darauf mit dem machtpolitischen Dogma der ewigen Hölle ersetzt, welches dann zu einem Propagandawerkzeug dieser intellektuell korrupten "christlichen" Institution wurde.

Im 11. Canon des Konzils findet sich der folgende Bannfluch:

"Wer nicht verflucht... Origenes samt seinen gottlosen Schriften und alle anderen Häretiker, welche verflucht sind von der heiligen katholischen und apostolischen Kirche..., der sei verflucht."

Diese Konzilsakte unterzeichnet der damalige Papst Vigilius noch im selben Jahr.

In seiner Schrift "De principiis" vertritt der Priester Origenes von Alexandria 185-254 n. Chr., einer der grössten Gelehrten und Bibelkenner des Frühchristentums, ganz direkt die Prinzipien vom Karma und Reinkarnation. Nach Origenes Lehren besteht letztlich der Sinn und Zweck allen Lebens innerhalb der materiellen Welt darin, dass sich die Seelen durch viele Inkarnationen läutern und veredeln, bis alle durch Befolgen der Gebote Jesu und durch ihre Liebe und Hingabe zu Gott schliesslich wieder in die ewige Gemeinschaft Gottes gelangen." Reinkarnation, Ronald Zürrer

Eine scheinbar kleine Tat mit epochalen Folgen: Wie anders wohl wäre weltweit die Geschichte der letzten 1500 Jahre verlaufen, wenn dieses Verbrechen an der einstigen Säule des christlichen Glaubens und diese intellektuelle Korruption an der Ethik der Menschheit nicht begangen worden wäre?

Dieses machtpolitische Dogma der ewigen Hölle ist eigentlich nichts anderes als ein Propagandawerkzeug einer wissenschaftlich korrupten "christlichen" Institution:

"Wenn die Münze im Kasten klingt - Die Seele aus dem Fegefeuer springt".

Entweder du zahlst deinen Mitgliederbeitrag oder du kommst in die ewige Hölle.

Ist nun das Christentum eine Drohbotschaft oder eine Frohbotschaft?

Warum halten diese kirchlichen Vertreter der Bibel, inkl. des Papstes, auch heute noch, trotz erdrückendem theologischen Beweismaterials, das für die Richtigkeit der Reinkarnations- und Karmalehre spricht, weiterhin an ihren widersprüchlichen Lehrsätzen fest?

Es gibt heutzutage viele sogenannte pluralistische Theologen, die die Auffassung vertreten, dass das Christentum seinen absolutistischen Anspruch aufgeben und offen auf andere Religionen zugehen müsse. Gott habe sich in verschiedener Weise offenbart und somit gebe es auch verschiedene Wege zum Heil.

Die Vatikanische Glaubenskongregation hat jedoch in der Erklärung "Dominus Iesus" am 6. August 2000 den religiösen Pluralismus zu einer Gefahr für den Glauben erklärt und wieder einmal die alleinige Einzigartigkeit der Kirche bekräftigt.

Was soll man von der Römisch Katholischen Kirche halten, die eingeengt und geistig gebunden in dem Netzwerk ihrer eigenen machtpolitischen Dogmen und aufgrund ihres selbstgefälligen Hochmuts und ihrer eitlen Verblendung nicht in der Lage ist, zu erkennen, dass sie längst durchschaut worden ist?


Reinkarnation im frühen Christentum

Ein Auszug aus dem Buch

"REINKARNATION" von Ronald Zürrer (ISBN 3-907824-01-6)

Aus den vorangegangenen Zitaten wird erneut deutlich, daß das Wissen um die Karma- und Reinkarnationsgesetze zur Zeit Jesu noch selbstverständlich war und wohl auch zum urchristlichen Gedankengut gehörte. Wir müssen uns daher an dieser Stelle fragen, wie es dazu kam, daß dieses Wissen später verlorenging. Und wenn wir zur Beantwortung dieser Frage die Geschichte des Reinkarnationsgedankens im Frühchristentum untersuchen wollen, so müssen wir uns zunächst auch über die folgende wichtige Tatsache, die heute oft vergessen wird, im klaren sein:
Das frühe Christentum kannte in den ersten Jahrhunderten nach Jesus noch keine festen Lehrsätze (Dogmen), wie sie heute als unumstößliches Fundament der katholischen Kirchenlehre gelten. Als Glaubensgrundlage dienten in erster Linie die Originalhandschriften des Neuen Testaments, wobei zu beachten ist, daß es darin noch keine systematische Aufstellung irgendwelcher Lehren und keine aus formulierten Abhandlungen über irgendwelche Grundsätze in Religion und Philosophie gab, sondern nur fragmentarische Erzählungen mit geringem Bemühen um eine chronologische Ordnung sowie kurze Gespräche und Briefe. Daneben galten auch die etwas systematischeren Schriften der Kirchenväter oder Kirchenlehrer als maßgeblich, welche jedoch die unterschiedlichsten Themen behandelten und dabei durchaus nicht in allen Punkten übereinstimmten.
Unter dem Begriff der Kirche wurde auch noch keine feste Organisation oder Institution verstanden, sondern sie stellte vielmehr eine lockere Gruppe oder Gemeinschaft derer dar, die bestrebt waren, die von Jesus und seinen Anhängern verkündete Botschaft zu verstehen und dementsprechend zu leben. Wichtig ist ebenfalls die Tatsache, daß es im Urchristentum noch keine Trennung in eine griechische und eine römische Kirche gab und daß die ersten großen Kirchenlehrer allesamt dem griechischen Kulturkreis entstammten und der im Entstehen begriffenen christlichen Lehre folglich zuweilen eine deutlich griechische Prägung gaben. (Die Streitigkeiten zwischen der römischen und der griechischen Kirche führten erst später, im Jahre 1054, zum großen Schisma, d.h. zur Kirchenspaltung in die griechisch-orthodoxe und römisch-katholische Kirche.)
In den ersten Jahrhunderten nach Jesus war die Entwicklung der Kirchenlehre also maßgebend bestimmt von den theologischen Lehrsätzen, die von den führenden Kirchengelehrten in speziellen Kirchenversammlungen festgelegt wurden. Doch je mehr sich das aufstrebende Christentum in den kommenden Jahrhunderten zu einer wirtschaftlich und politisch mächtigen Weltreligion entwickelte, desto mehr gingen auch viele der ursprünglichen Grundgedanken verloren, und an ihre Stelle traten oft eher "weltliche" Überlegungen - um es gelinde auszudrücken. Es ist daher augenscheinlich, daß uns grundlegende theologische Untersuchungen unweigerlich ins Urchristentum führen, denn die ersten Christen waren, wie sich zeigen wird, nicht nur zeitlich "näher bei Christus".
Diesen Sachverhalt möchten wir in der Folge am Beispiel der wohl herausragendsten und einflußreichsten Persönlichkeit des Urchristentums illustrieren: Origenes von Alexandria (185-254), dessen Name gerade im Zusammenhang mit dem Reinkarnationsgedanken immer wieder genannt wird - und dies zurecht.
Origenes ist der erste und einer der größten Gelehrten und Bibelkenner, die das Christentum je gekannt hat. Er war ein Wissenschaftler, der alle weltlichen Ehren der damaligen griechischen Bildungswelt errungen hatte, und er ist außerdem der einzige, der die Lehre des Christentums auch literarisch in Form eines geschlossenen philosophischen Systems darstellte. Um alle seine Aussagen auf ein breites biblisches Fundament abzustützen, erstellte er sich eine umfassende Textausgabe des Alten Testaments (die "Hexapla"), so daß er seine Lehren immer auf diese Grundlage beziehen konnte. Er beherrschte neben der griechischen Sprache auch Hebräisch (die Sprache der alttestamentarischen Urtexte), und erlernte darüber hinaus sogar eigens die Muttersprache Jesu, Aramäisch, um auch die Texte jener im Original lesen zu können, die Jesus persönlich gekannt und sein Leben und seine Lehren schriftlich festgehalten hatten. Origenes kann also, ohne Übertreibung, als Universalgelehrter von Weltrang bezeichnet werden. Er ist "Zeuge höchsten christlichen Wissens und dessen überragender Lehrer. Seine literarische Hinterlassenschaft stellt bis ins 20. Jahrhundert die umfassendste und tiefste Erschließung der Bibel dar." (aus der Einleitung des Buches "Origenes der Diamantene" von Robert Sträuli, 1987). Origenes war zudem der Leiter der berühmten Katechetenschule von Alexandria (im heutigen Ägypten), wo sich auch die größte Bibliothek des Altertums befand, mit der umfangreichsten Schriftensammlung der gesamten damaligen Welt. Viele Fachkenner sind sich darüber einig, daß sich mit größter Wahrscheinlichkeit dort auch zahlreiche vedische Originaltexte in Sanskrit befanden, denn es herrschte bereits damals ein reger kultureller und philosophischer Austausch zwischen den Gelehrten der griechischen, persischen und indischen Hochkulturen. Diese höchst bedeutende Bibliothek wurde indes im Jahre 389 von einem christlichen Glaubensfanatiker, dem Patriarchen Theophilus, in Brand gesteckt.
Durch diese bedauernswerte Tat wurde wertvollstes Wissen unwiederbringlich zerstört, was die historische Forschung heute erheblich erschwert. Es ist jedoch wichtig zu beachten, daß aufgrund dieser Tatsache keiner der späteren Kirchengelehrten nach Origenes solche Voraussetzungen für seine wissenschaftliche Arbeit hatte wie Origenes - auch nicht jene, die später versuchten, seine Lehren zu widerlegen.
Kurzum: Origenes hatte also Kenntnis sämtlicher verfügbaren Originaldokumente des Christentums, sowohl der heiligen Schriften der Juden als auch der Evangelien und Apostelbriefe und der heute als apokryph («unecht») bezeichneten Schriften, und er verfügte außerdem über fundiertes Wissen der griechischen, persischen und vermutlich auch der vedischen Philosophie. Er hatte Pythagoras, Platon und Plotin gelesen und war ein persönlicher Schüler des großen Gelehrten Ammonius Sakkas aus Alexandria (175-242), des Begründers der neuplatonischen Lehre.
Die umfassende Gelehrsamkeit des Origenes auf theologischem Gebiet veranlaßte den damaligen Bischof von Alexandria, Demetrius, diesen einmaligen Sachkenner auf Missionsreisen zu schicken, insbesondere wenn es darum ging, Meinungsstreitigkeiten unter Theologen zu widerlegen. Wie erwähnt, vertraute er Origenes auch die Leitung der blühenden Katechetenschule an, verlieh ihm also ein kirchliches Lehramt.
Der gleiche Bischof Demetrius aber war später auch der erste, der Origenes der Irrlehre bezichtigte, wobei seiner Handlungsweise jedoch offensichtlich ein rein egoistisches Motiv, nämlich gekränkte Eitelkeit und Neid, zugrunde lag: Als die Bischöfe in Caesarea (Palästina), wo sich Origenes längere Zeit zu Lehrzwecken aufhielt, diesen aufgrund seiner Beliebtheit und Gelehrsamkeit zum Presbyter (Priester) weihten, sah Demetrius darin einen Eingriff in seine Rechte und veranlaßte in Origenes' Abwesenheit die Aberkennung seiner Priesterwürde und seine Verbannung (dies im Jahre 231). Dieser "Fall Origenes" ist in der christlichen Kirchengeschichte wahrscheinlich das erste Beispiel eines Konfliktes zwischen einem unabhängigen christlichen Gelehrten und der Autorität der über ihm stehenden kirchlichen Behörde - das erste Beispiel also für den Kampf um die Wahrheit gegen den Kampf um die Macht im hierarchischen System. Leider, so muß man allerdings sagen, bei weitem nicht das einzige und letzte.
In den folgenden Jahrhunderten wurden die Lehren dieses größten aller Kirchengelehrten, der zu seinen Lebzeiten keinen Sachkenner gleichen Ranges gekannt hatte, immer wieder der Häresie (Ketzerei) bezichtigt. Dennoch vertraten einige führende Theologen auch nach Origenes' Tod weiterhin seine Ansichten, so daß die theologischen Streitigkeiten um seine Lehren mit einem für die heutige Zeit unvorstellbaren Fanatismus ausgetragen wurden.
Weil, vor allem in Palästina, bis ins 6. Jahrhundert (also 300 Jahre nach seinem Tode) teilweise bürgerkriegsähnliche Zustände unter den betroffenen Mönchsgruppen herrschten, übergaben einige Origenes-Gegner dem im Jahre 542 in Palästina weilenden päpstlichen Gesandten Pelagius eine Klageschrift an den herrschenden Kaiser Justinian I. in Konstantinopel (Byzanz). Diese Schrift wie auch andere Motive führten in der Folge dazu, daß die Lehren des Origenes offiziell aus der aufstrebenden christlichen Kirche verbannt wurden. Wir werden im Anschluß noch auf den genauen Verlauf der Beseitigung seiner Lehren zu sprechen kommen. Vorerst wollen wir aber diese sogenannt "ketzerischen" Ansichten, die zu derartig tiefgehenden Streitigkeiten und zu solch blutigen Auseinandersetzungen in der frühchristlichen Geschichte führten, etwas genauer betrachten.

Origenes' Lehre

Origenes verfaßte insgesamt rund 2000 Schriften, die später leider alle größtenteils zerstört wurden. Seine bis in die heutige Zeit überlieferten Werke lagen zudem lange Zeit nicht im Original, sondern nur in der lateinischen Übersetzung des Rufinus von Aquileja vor, der in der Einleitung selbst zugibt, daß er bei der Übertragung vom Griechischen ins Lateinische gezwungen war, gewisse Korrekturen im Sinne der kirchlichen Dogmen vorzunehmen. Erst vor wenigen Jahrzehnten wurden in Ägypten einige Originale von Origenes' Schriften gefunden, die sich in der Tat von der Übersetzungen des Rufinus an wichtigen Stellen teilweilse deutlich unterscheiden. Dennoch können wir anhand der überlieferten Textstellen die Grundzüge seiner Lehre skizzieren: Origenes lehrte, daß es eine Rangordnung unter den Wissenschaften gebe, an deren Spitze nicht mehr die Philosophie, sondern vielmehr die Theologie, die Wissenschaft über Gott, zu stehen habe: "Wenn die Söhne der Weltweisen von Geometrie, Musik, Grammatik, Rhetorik und Astronomie sagen, sie seien die Mägde der Philosophie, so können wir von der Philosophie in ihrem Verhältnis zur Theologie dasselbe sagen." Folglich verlangte er von den Theologen, sämtliche verfügbaren alten philosophischen und wissenschaftlichen Schriften zu kennen und durchzuarbeiten und allem ein gerechtes Ohr zu leihen, wofür er selbst das beste Beispiel gab.
In seinen Lehren nimmt Origenes denn auch eine weitgehende, ja für die Kirchenmacht zu weit gehende Verschmelzung christlicher mit neuplatonischen Gedanken vor. In seinem Hauptwerk "De principiis" (Von den Grundlehren) beschrieb er, gleich den Neuplatonikern, das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen (d.h. den Seelen) wie jenes zwischen der Sonne und dem Glanz, der von ihr ausstrahlt - ein Vergleich übrigens, der sich, wie erwähnt, bereits im vedischen Visnu Purana (1.22.53) findet. Jesus steht dabei als Gottes Sohn in gleichem Abstand von beiden zwischen Gott und den Menschen als Vermittler.
Weiter lehrte Origenes, daß die gesamte Schöpfung - also sowohl die unvergängliche spirituelle Welt als auch die zeitlich begrenzte körperliche (materielle) Welt - von Gott geschaffen wurde und daß "kein Wesen existiert, das nicht von Ihm sein Dasein erhalten hätte". Mit anderen Worten, alle Vernunftwesen (von Origenes Logika genannt) gehen ewig aus Gott hervor und sind demzufolge selbst auch ewig, da sie mit Gott verwandt sind. Im Urzustand waren alle Logika nichtmaterielle Wesen und gaben sich der unmittelbaren Schau ihres gemeinsamen Vaters hin.
Interessant ist an dieser Stelle auch der Vergleich des zusammenhängenden Welt-, Gottes- und Menschbildes des Origenes mit den entsprechenden Aussagen der Bhagavad-gita, die ihm, dem großen Gelehrten, aller Wahrscheinlichkeit nach bekannt war:

Gott sprach: Ich bin der Ursprung sowohl der spirituellen als auch der materiellen Welt. Alles geht von Mir aus. Die Weisen, die dies vollkommen verstanden haben, beschäftigen sich in Meinem hingebungsvollen Dienst und verehren Mich von ganzem Herzen. (Bg. 10.8)

Alle Lebensformen werden durch Geburt in der materiellen Natur ermöglicht, und Ich bin der samengebende Vater. (Bg. 14.4)

Die individuellen Unterschiede zwischen den "himmlischen, irdischen oder unterirdischen Wesen", so lehrte Origenes, sind erst durch den Fall, das Wegfallen von Gott, entstanden. Grund und Ursache dieses Falles sind demnach nicht im Schöpfer zu suchen, sondern in den Lebewesen selbst, da, wie er schreibt, "die Ursache der Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit unter den einzelnen Geschöpfen von ihren eigenen Bewegungen herrührt, die teils lebhafter, teils träger sind, entsprechend ihrer Tugend und Schlechtigkeit, nicht aber aus ungleicher Behandlung durch den Ordner der Welt." Auch hier ist die Parallele zur vedischen Lehre der drei Erscheinungsweisen (Gunas) unübersehbar:

Die materielle Natur besteht aus drei Erscheinungsweisen - Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit. Wenn das Lebewesen mit der Natur in Berührung kommt, wird es durch diese Erscheinungsweisen bedingt. (Bg. 14.5)

Man sollte verstehen, daß die materielle Natur und die Lebewesen anfanglos sind. Ihre Umwandlungen und die Erscheinungsweisen der Materie sind Produkte der materiellen Natur. Die Natur gilt als die Ursache aller materiellen Ursachen und Wirkungen, wohingegen das Lebewesen die Ursache der verschiedenen Leiden und Genüsse in dieser Welt ist. So folgt das Lebewesen in der materiellen Natur den Wegen des Lebens und trifft mit Gut und Schlecht in den verschiedenen Lebensformen zusammen. (Bg. 13.20-22)

Gemäß Origenes ist bestimmend für den Ort, an dem sich ein Vernunftwesen aufgrund seiner "eigenen Bewegung" befindet, sein eigener freier Wille, den ihm der Schöpfer als größtes Geschenk mitgegeben hat und durch den es der Seele möglich ist, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Er schreibt:

Denn der Schöpfer gewährte den Intelligenzen, die er schuf, willensbestimmte, freie Bewegungen, damit in ihnen eigenes Gut entstehe, da sie es mit ihrem eigenen Willen bewahrten. Doch Trägheit, Überdruß an der Mühe, das Gute zu bewahren, und Abwendung und Nachlässigkeit gegenüber dem Besseren gaben den Anstoß zur Entfernung vom Guten.

Auch bei einem anderen großen Kirchengelehrten, dem frühen Dalmatier Hieronymos (347-419), dessen größte Leistung die erste lateinische Bibelübersetzung (die "Vulgata") war, vereinigen sich klassisch-griechische und biblische Überlieferungen. In seinen "Epistulae" heißt es:

Alle körperlosen und unsichtbaren vernünftigen Geschöpfe gleiten, wenn sie in Nachlässigkeit verfallen, allmählich auf niedere Stufen herab und nehmen Körper an je nach Art der Orte, zu denen sie herabsinken: zum Beispiel erst aus Äther, dann aus Luft, und wenn sie in die Nähe der Erde kommen, umgeben sie sich mit noch dichteren Körpern, um schließlich an menschliches Fleisch gefesselt zu werden... Dabei wechselt der Mensch seinen Körper ebensooft, wie er seinen Wohnsitz beim Abstieg vom Himmel zur Erde wechselt.

Und in einem Brief an Demetrius schreibt Hieronymos, daß "die Reinkarnationslehre unter den ersten Christen als geheime, den Laien nicht offenbarte Überlieferung behandelt und nur den Auserlesenen erklärt wurde."

Aus diesen Zeugnissen geht hervor, daß sowohl Origenes als auch andere bedeutende frühchristliche Theologen, Philosophen und Kirchenlehrer - so zum Beispiel auch Justinus der Märtyrer (100-165), Tatian (2. Jhd.), Clemens von Alexandria (150-214), Gregorios von Nyssa (334-395), Synesios von Kyrene (370 413) oder auch der Hl. Augustinus (354-430) und der Bischof Nemesios von Emesa (um 400-450) - die Ansicht vertraten, daß die Seelen der Menschen schon vor der Entstehung der materiellen Welt vorhanden waren. Mit anderen Worten, all diese frühen Kirchenlehrer waren von der später so umstrittenen Präexistenz der Seele vollständig überzeugt. Diese wiederum ist, wie bereits dargelegt, eine wichtige Voraussetzung für die Reinkarnationslehre und wird außerdem durch die folgende Bibelstelle bestätigt:

Das Wort des Herrn erging an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. (Jer 1,4-5)

In "De principiis" vertritt Origenes denn auch ganz direkt die Prinzipien von Karma und Reinkarnation. Es heißt dort beispielsweise:

Wenn man wissen will, weshalb die menschliche Seele das eine MaL dem Guten gehorcht, das andere Mal dem Bösen, so hat man die Ursache in einem Leben zu suchen, das dem jetzigen Leben voranging. Jeder von uns eilt der Vollkommenheit durch eine Aufeinanderfolge von Lebensläufen zu. Wir sind gebunden, stets neue und stets bessere Lebensläufe zu führen, sei es auf Erden, sei es in anderen Welten. Unsere Hingabe an Gott, die uns von allem Übel reinigt, bedeutet das Ende unserer Wiedergeburt.

Und an einer anderen Stelle schreibt er:

Aufgrund einer Anziehung an das Böse nehmen bestimmte Seelen Körper an, zunächst einen menschlichen. Nachdem ihre Lebensspanne als Mensch dann abgelaufen ist, wechseln sie aufgrund irrationaler Begierden in einen Tierkörper über, von wo sie auf die Ebene von Pflanzen sinken. Aus diesem Zustand erheben sie sich wieder, indem sie die gleichen Stufen durchlaufen, und kehren zu ihren himmlischen Orten zurück.

Nach Origenes besteht also letztlich der Sinn und Zweck allen Lebens innerhalb der materiellen Welt darin, daß sich die Seelen durch viele Inkarnationen hindurch läutern und veredeln, bis alle, durch Befolgen der Gebote Jesu und durch ihre Liebe und Hingabe zu Gott, schließlich wieder in die ewige Gemeinschaft Gottes gelangen:

Denn Gott lenkt die Seelen nicht nur im Hinblick auf die, sagen wir, fünfzig oder sechzig Jahre dieses irdischen Lebens, sondern auf die unendliche Ewigkeit; denn Er hat die geistige Substanz unvergänglich gemacht und Ihm selbst verwandt, und die vernünftige Seele ist nicht von der Heilung ausgeschlossen, als wäre sie auf das Leben hier auf Erden beschränkt... Diese [Rückkehr zu Gott] muß mam sich aber nicht als ein plötzliches Geschehen vorstellen, sondern als ein allmähliches, stufenweise im Lauf von unzähligen und unendlich langen Zeiträumen sich vollziehendes, wobei der Besserungsprozess langsam den einen nach dem anderen erfaßt; einige eilen voraus und streben rascher zur Höhe, andere folgen in kurzem Abstande, und wieder andere weit hinten; und so gibt es zahllose Stufen von Fortschreitenden, die aus der Feindschaft zur Versöhnung mit Gott kommen, und am Ende steht der "letzte Feind", welcher der "Tod" genannt wird, und der ebenfalls vernichtet wird, auf daß er nicht länger ein Feind sei.

Diese letzte Aussage bezieht sich auf die Bibelstelle 1 Kor 15,26, die Origenes wie folgt erklärt:

Die Vernichtung des letzten Feindes ist aber so zu verstehen, daß nicht seine von Gott geschaffene Substanz vergeht, sondern seine feindliche Willensrichtung, die nicht von Gott, sondern von ihm selbst stammt. Er wird also vernichtet, nicht um künftig nicht zu sein, sondern um künftig nicht mehr "Feind" und "Tod" zu sein.

Auch gemäß der vedischen Theologie besteht die einzige Möglichkeit für die Seele, aus dem Kreislauf der Seelenwanderung auszubrechen - also "den letzten Feind, welcher der Tod genannt wird" zu bezwingen -, darin, daß sie sich von ihrer feindlichen Gesinnung Gott gegenüber abwendet und sich Ihm wieder zuwendet:

Diejenigen, die Mich verehren, die all ihre Tätigkeiten Mir weihen, Mir ohne Abweichung hingegeben sind, sich im hingebungsvollen Dienst beschäftigen und immer über Mich meditieren, indem sie ihren Geist fest auf Mich richten - sie befreie Ich sehr schnell aus dem Ozean von Geburt und Tod. (Bg. 12.6-7)

Die Beseitigung des Wissens um die Reinkarnation

Wie gesagt ist es höchst bedauerlich, daß das Gesamtwerk der Lehren Origenes' nicht mehr in vollem Umfang und im Original vorliegt, sondern aus den Schriften anderer, die teilweise seine Gegner waren, rekonstruiert werden mußte. Die Zeugnisse des Wissens um Karma und Reinkarnation sind jedoch trotzdem noch so zahlreich, daß es verwundert, daß und wie es gelingen konnte, sie später bis in die heutige Zeit als bedeutungslos hinzustellen oder zu verschweigen.
Hier finden wir ein Beispiel dafür, wie viel die institutionalisierte Kirche im Laufe der Zeit vom ursprünglichen Gedankengut wegschnitt und abtrennte, um ihr eigenes, enges, selbstgeschaffenes Lehrgebäude zu errichten. Ja, sie beraubte das Christentum, dessen Verwalter sie zu sein behauptet, um Teile des grundlegenden Wissens über die Zusammenhänge, die den Unterweisungen Jesu Christi für die Menschheit erst Sinn geben. Und die herausgebrochenen Teile dieses Fundaments wurden dann notdürftig mit blinden Dogmen ersetzt.
Bei der exakten Untersuchung dieser Sachverhalte steht die heutige historische Wissenschaft vor dem Problem, daß zahlreiche Glaubensfanatiker der Vergangenheit oftmals bedenkenlos historische Zeugnisse vernichtet und verfälscht haben und ihre Meinungsgegner nicht nur mit geistigen, sondern vor allem mit politischen oder kriegerischen Mitteln bekämpften. Der aus einem solchen Kampf hervorgegangene Sieger pflegte dann seine Anschauung als die alleingültige Wahrheit zu verkünden. Will man daher heute feststellen, ob die Lehre der Reinkarnation tatsächlich im Urchristentum enthalten war, muß man auch die politischen Hintergründe jener Zeit aufhellen.
Wie wir bereits ausführten, hatte das frühe Christentum in der Zeit des Origenes noch keine festen Dogmen gekannt, und unter dem Begriff der Kirche wurde noch keine feste Institution verstanden. Die Entwicklung der Kirchenlehre war also hauptsächlich von gewissen theologischen Lehrsätzen bestimmt gewesen, die an Kirchenversammlungen festgelegt worden waren. Erst nachdem das Christentum im 4. Jahrhundert römische Staatsreligion geworden war, entstanden die ersten Dogmen, wobei der Entstehung dieser kirchlichen Glaubenssätze bekanntlich keine innere Systematik zugrunde lag. Sie wurden nicht als allgemeingültige Glaubenswahrheiten verfaßt, sondern waren ursprünglich Leitsätze zur Abwehr gewisser Glaubensauffassungen, die mit kirchlichen Interessen nicht übereinstimmten und daher zu Irrlehren erklärt werden mußten.
Offiziell nach dem Konzil zu Nicaa (das erste große Konzil der Kirchengeschichte) im Jahre 325 - aber, wie anzunehmen ist, auch schon vorher - begann die bewußte Abänderung oder gar Ausmerzung mißliebiger oder unverstandener Stellen in den Schriften des Neuen Testaments. Von kirchlichen Behörden eigens zu diesem Zwecke ernannte Corrctores wurden bevollmächtigt, Schrifttexte im Sinne dessen zu "korrigieren", was nach Ansicht der Machthaber als richtig galt. Es ist wahrscheinlich, daß in jener Zeit zahlreiche Stellen des Neuen Testaments, welche die Reinkarnationslehre betrafen, entfernt wurden.
Diese Praxis wurde auch durch die folgenden drei ökumenischen Konzilien nicht aufgehalten - Konstantinopel (381), Ephesus (431) und Chalcedon (451). Im Gegenteil, diese arbeiteten Jesus Christus immer klarer als den einzigen Erlöser unseres Zeitalters heraus und stellten jedem "wahren" Christen die Befreiung aus der Sterblichkeit des materiellen Körpers alleine durch das Annehmen Christi und seiner Kirche. - in Aussicht. Dadurch wurde natürlich die Lehre der Reinkarnation zusehends verdrängt, da sie für den "wahren" Christen nicht mehr zutreffend (und auch nicht mehr erwünscht) war, bis sie schließlich auf dem nächsten, dem fünften Konzil (Konstantinopel, 553) endgültig abgeschafft wurde.
Liest man die Geschichte der Konzilien und der Entstehung der Dogmen nach, muß man zudem feststellen, daß diese vielfach von heftigen Auseinandersetzungen über den rechten Glauben begleitet war. Hierbei ging es meist nicht so sehr um die Grundsätze der Religion oder um das Wohl der Gläubigen, als vielmehr um die Führungsrolle und den Einfluß der Kirche. Da es sich also letztlich um eine politische Entscheidung handelte, welche Auffassung sich durchsetzte, muß man davon ausgehen, daß in den Dogmen in erster Linie eigennützige kirchliche Interessen ihren Niederschlag fanden. Die spätere Erklärung, bei der Entstehung der Dogmen habe der heilige Geist mitgewirkt oder sie seien gar von Gott offenbart, ist unter diesen Voraussetzungen wenig glaubwürdig.
In diesem Umfeld müssen wir auch die Beseitigung des Wissens um die Reinkarnation betrachten, deren Verlauf im folgenden kurz dargestellt werden soll. Aus vielfältigen, zum Teil machtpolitischen und zum Teil egoistisch-menschlichen Gründen waren also nach dem Tode des Origenes zahlreiche theologische Streitigkeiten um seine Lehren entbrannt, insbesondere auf dem Gebiet der Eschatologie, der "Lehre von den letzten Dingen". Und weil Origenes als die überragende Gestalt der frühen Kirche überall anerkannt wurde - er galt als die Autorität schlechthin, und Gegner wie Befürworter beriefen sich auf ihn -, verknüpfte man das Wissen um die Reinkarnation immer mehr mit seinem Namen.
Der Streit und die innerkirchlichen Intrigen um Origenes wurde im Verlauf der darauffolgenden Jahrhunderte immer heftiger und forderte immer dringender eine endgültige Entscheidung. So kam es in der Mitte des 6. Jahrhunderts schließlich zu einem folgenschweren Ereignis, welches in der Konsequenz die Verdrängung und Beseitigung der Reinkarnationslehre aus dem institutionalisierten Christentum auslöste.

Die Synode zu Konstantinopel (543)

Auf Drängen des byzantinischen Kaisers Justinian I. (527-565) wurde im Jahre 543 in Konstantinopel eine Synode der Ostkirche einberufen, die das erklärte Ziel hatte, die theologischen Differenzen um die Lehren des Origenes (der 300 Jahre zuvor gelebt hatte.) ein für allemal zu beenden. Diese Lehren wurden, ohne Rücksicht auf die Haltung des damaligen römischen Papstes Vigilius, durch die Synode mit neun Anathemata (Bannflüchen) belegt, wobei der für die Frage der Seelenpräexistenz und der Reinkarnation entscheidende erste Bannfluch lautet:

Wenn einer sagt oder meint, die Seelen der Menschen seien präexistent gewesen, insofern sie früher Geistwesen und heilige Mächte gewesen seien, es habe sie aber Überdruß ergriffen an der Schau Gottes und sie hätten sich zum Schlechten gewendet, darum sei die göttliche Liebe in ihnen erkaltet ... und seien zur Strafe in Körper hinabgeschickt worden - der sei anathema (verflucht).

Außerdem wurden (im neunten Bannfluch) auch all diejenigen verflucht, die nicht glauben würden, daß es eine ewige Bestrafung der Dämonen und gottlosen Menschen gebe. All diese Verfluchungen geschahen auf die äußerst persönlich motivierte Anweisung von Kaiser Justinian (und dessen intriganter Gemahlin Theodora), der sich selbst als Oberherrn der Kirche verstand. Über diesen zwielichtigen Kaiser schreibt der Historiker Georg Ostrogorsky in seiner "Geschichte des byzantinischen Staates" (in: "Handbuch der Altertumswissenschaft", 1963):

Auch als Christ blieb Justinian Römer, und die Idee einer Autonomie der religiösen Sphäre war ihm völlig fremd. Päpste und Patriarchen behandelte er als seine Diener. In derselben Weise wie er das Staatswesen leitete, dirigierte er auch das Kirchenleben, in jede Einzelheit der Kirchenverfassung persönlich eingreifend. (S. 65)

Noch deutlicher drücken es B. Altaner und A. Stuiber in "Patrologie - Leben, Schriften und Lehre der Kirchenväter" (1966) aus:

Mit terroristischer Politisierung der Theologie versuchte Justinian, die geistigen Anreger der Vergangenheit und Gegenwart zu verketzern, hatte aber auch den Ehrgeiz, selbst als theologischer Schriftsteller zu glänzen. (S. 513)

Und Hermann Bauer schreibt in "Der Einfluß Ostroms" (1982):

Umso leichter hatte es Kaiser Justinian, da in Rom Papst Vigilius residierte, der wegen der Ostgotengefahr auf militärische Hilfe des Kaisers angewiesen war und darüber hinaus eine Marionette der Kaisergemahlin Theodora war, der er das Papstamt (537) letztlich verdankte. Die Persönlichkeit des Kaisers, die allgemeine Kriegssituation im oströmischen Reich und dazu die drohende Gefahr, in Palästina durch origenistisch gesinnte Mönchsgruppen noch einer zusätzlichen innenpolitisch-religiösen Kriegsfront gegenüberzustehen, diese Gründe gaben das politische Motiv zur Beseitigung des Wissens um die Reinkarnation.

Ein weiteres Motiv gab Justinians ehrgeizige und herrschsüchtige Frau Theodora. Sie war (nach Procopius) die Tochter eines Bärenwärters im Amphitheater von Byzanz gewesen. Ihren kometenhaften Aufstieg zur Herrscherin des Reiches begann sie als Kurtisane. Um mit ihrer schändlichen Vergangenheit ganz zu brechen, ließ sie später als sittenstrenge Kaiserin 500 ihrer ehemaligen Berufsgenossinnen mißhandeln und martern. Da sie nach den Gesetzen des Karma (die Origenes in seinen Schriften "De principiis" und "Contra Celsum" unmißverständlich bejaht hatte) in einem späteren Leben für diese Greueltaten hätte büßen müssen, wirkte sie nun beim Kaiser darauf hin, die Wiedergeburtslehre einfach abzuschaffen. Von der Wirksamkeit dieser Aufhebung durch einen "göttlichen Beschluß" muß sie ganz und gar überzeugt gewesen sein.
Aus welchen fragwürdigen Motiven auch immer - Tatsache ist, daß an der Synode der Ostkirche im Jahre 543 Origenes' Lehren verdammt wurden. Die Bannflüche wurden daraufhin unter dem unnachgiebigen Druck Kaiser Justinians von sämtlichen Patriarchen unterzeichnet, einschließlich Papst Vigilius', der 544 eigens zu diesem Zwecke fast gewaltsam nach Konstantinopel gebracht wurde. Mit ihrer Unterzeichnung reihte die Kirche den bedeutendsten und herausragendsten Theologen des frühen Christentums, Origenes, aus rein weltlichen Gründen unter die ketzerischen Irrlehrer. Mit Sicherheit ist anzunehmen, daß in der Folge in den kirchlichen Dokumenten aufs neue alles entfernt oder verändert wurde, was gegen diese dogmatischen Lehrsätze sprach. Die heutige Geschichtsforschung muß sich also auf Stellen stützen, die offenbar übersehen wurden.

Das Konzil zu Konstantinopel (553):
Ein historischer Irrtum

Origenes' Lehre von der Präexistenz und der Reinkarnation der Seele wurde dann zehn Jahre später, also 553, durch das fünfte ökumenische Konzil zu Konstantinopel nochmals verurteilt, wobei inhaltlich ungefähr dieselben Bannflüche wie zehn Jahre zuvor ausgesprochen wurden. Dadurch wurde die Reinkarnationslehre offiziell zur "heidnischen Irrlehre" erklärt und rechtmäßig abgeschafft, und somit ist es jedem gläubigen und kirchentreuen Christen seitdem strengstens verboten, an die Reinkarnation zu glauben... - Dies jedenfalls glauben bis zum heutigen Tage praktisch alle Kirchenhistoriker sowie auch der überwiegende Teil der weltweiten Christenheit.
Tatsächlich aber fiel das urchristliche Wissen um die Reinkarnation im Jahre 553 einem fatalen historischen Irrtum zum Opfer. Denn die vermeintlich offizielle Verfluchung der Wiedergeburtslehre war, wie oben beschrieben, lediglich auf eine persönlich motivierte Machtdemonstration des byzantinischen Kaisers Justinian zurückzuführen.
Entweder gingen bedeutende Teile der Konzilsakten, die den Fall Origenes betrafen, durch "Zufall" verloren oder wurden später aus irgendwelchen Gründen gefälscht, oder aber - was wahrscheinlicher ist - es wurde an den acht offiziellen Konzilssitzungen über Origenes und seine Verfluchung gar nicht verhandelt. Denn die Sitzungen befaßten sich laut Protokoll lediglich mit dem Streit um drei von Justinian als Ketzer bezeichnete Gelehrte (den sogenannten "drei Kapiteln"), gegen die der Kaiser schon vier Jahre zuvor ein Edikt erlassen hatte. Von Origenes jedoch ist keine Rede. Auch die folgenden Päpste Pelagius I. (556-561), Pelagius II. (579-590) und Gregorius (590-604) reden vom fünften Konzil, ohne Origenes auch nur zu erwähnen. Doch obwohl über Origenes in den Konzilssitzungen offenbar nicht verhandelt wurde, findet sich im 11. Canon des Konzils der folgende Bannfluch:

Wer nicht verflucht... Origenes samt seinen gottlosen Schriften und alle anderen Häretiker, welche verflucht sind von der heiligen katholischen und apostolischen Kirche..., der sei verflucht.

Vermutlich wurde dieser seltsame Bannfluch von Kaiser Justinian vor Eröffnung des Konzils den Patriarchen vorgelegt, die dann zur Unterzeichnung genötigt wurden.
Interessant ist auch, daß Papst Vigilius bewußt an keiner einzigen Sitzung teilnahm, obwohl er sich auf Geheiß des Kaisers während der fraglichen Zeit (5. Mai bis 2. Juni 553) in Konstantinopel aufhielt. Aus diesem Grunde stand dem Konzil nicht wie üblich der Papst vor, sondern der Patriarch von Konstantinopel, Eutychius, ein treuer Diener Kaiser Justinians. Ebenfalls interessant ist, daß von den anwesenden 165 Bischöfen nur einige wenige aus den Westländern zugelassen waren, während die anderen eine Teilnahme unter diesen Voraussetzungen ablehnten. Das heißt: Das Konzil zu Konstantinopel war praktisch eine ganz persönliche Versammlung Kaiser Justinians, auf dem er mit seinen von ihm abhängigen Vasallen (gegen den Protest des Papstes und der römischen Bischöfe) die Lehre von der Vorexistenz der Seele willkürlich mit Fluch und Bann belegte und damit der ursprünglich christlichen Lehre der Reinkarnation die Grundlage entzog.
(Aufgrund der Tatsache, daß sich Papst Vigilius geweigert hatte, am Konzil zu Konstantinopel teilzunehmen, wird von einigen fortschrittlichen katholischen Gelehrten neuerdings bezweifelt, ob dieses Konzil und die damaligen "Beschlüsse" überhaupt für die Katholiken kirchenrechtliche Gültigkeit besitzen, ob, mit anderen Worten, die Lehre von der Reinkarnation nicht nach wie vor ein Teil des kirchlichen Gedankengutes sei...)

Das vierwöchige Konzil endete am 2. Juni 553, aber erst am 8. Dezember 553 unterzeichnete Papst Vigilius unter dem unnachgiebigen Druck des Kaisers und aus Angst vor der Exkommunikation (.) und vor der Ernennung eines Gegenpapstes schließlich die Konzilsakte - vermutlich ohne etwas über die vorherigen Abmachungen gegen Origenes zu wissen. "Alles in allem also eine höchst zweifelhafte Angelegenheit. Von Rechtmäßigkeit keine Spur.", schreibt Rudolf Passian in seinem Buch "Wiedergeburt - Ein Leben oder viele?" (S. 223).
Wer sich in kurzer Form über die Art, wie man Glaubensdifferenzen zu Zeiten der ersten fünf ökumenischen Konzilien auszutragen pflegte, informieren möchte dem sei die kleine Schrift von Dr. iur. Robert Kehl, "Ein sonderbarer Heiliger Geist", empfohlen. Kehl fordert von den Kirchen, "wenn sie wieder glaubwürdig werden wollen", eine klare Distanzierung von jenen Konzilien und den dort (vor dem Hintergrund von Terror und Intrigen) gefaßten Beschlüssen.

Der Reinkarnationsglaube ist nicht unchristlich

Der dubiose Bannfluch Kaiser Justinians 300 Jahre nach Origenes' Tod ist von der Kirche bis heute offiziell nicht revidiert worden. Im Gegenteil setzte sich die Überzeugung, der Fluch sei ein Teil der gültigen Konzilsbeschlüsse, trotz aller Ungereimtheiten im Laufe der Jahrhunderte allmählich im Denken der Kirche fest. Dennoch bleibt es eine Tatsache, daß das vermeintliche Verbot der Reinkarnationslehre, wenn wir es genauer betrachten, nichts weiter ist als ein Geschichtsirrtum ohne jede ökumenische Gültigkeit.
Oder anders ausgedrückt: Es ist den Christen nicht offiziell verboten, an Reinkarnation zu glauben. - Die Reinkarnationslehre ist dem Christentum durchaus nicht fremd, wohl aber dem Kirchentum...
Denn später wurde die Reinkarnationslehre von der Kirche im Konzil zu Lyon (1274) und im Konzil zu Florenz (1439) erneut aufs schärfste verurteilt. Daraufhin wurden die Anhänger dieser Lehre unerbittlich verfolgt und oft sogar hingerichtet. Das in diesem Zusammenhang wohl berühmteste Beispiel ist der bereits in Kapitel 5 erwähnte italienische Gelehrte und ehemalige Dominikanermönch Giordano Bruno (1548-1600). Für sein philosophisches Bekenntnis zur Lehre der Seelenwanderung brachte man ihn im Jahre 1592 vor das christliche Inquisitionsgericht, das ihn nach langer Gefangenschaft schließlich zum Feuertode verurteilte. Am 17. Februar 1600 wurde er auf dem Campo dei Fiori in Rom öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Als Gründe für diese Praxis wurden angegeben, daß der Reinkarnationsgedanke im Widerspruch zu verschiedenen christlichen Dogmen der Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) stünde, so zum Beispiel zum Dogma der Auferstehung des Leibes oder zur Grundlehre, daß sich in diesem einen Leben das Heil oder Unheil des Menschen entscheide und daß die Seele unmittelbar nach diesem einen Erdenleben in den ewigen Himmel oder in die ewige Hölle gehe. Außerdem beinhalte sie von der Kirche verurteilte Meinungen wie die der anima separata (vom Leib unabhängige Seele) oder der Präexistenz der Seele.





Reinkarnations- und Karmagedanke in anderen Kulturen
Judentum, Islam, amerikanische, afrikanische und ozeanische Kulturen ...

Judentum: Ein Leserbrief zum Artikel:

«Eine Reinkarnation wirbelt Staub auf», BaZ (Basler Zeitung) Nr. 120 --- Samstag, 6. Juni 1998

In diesem Artikel wird behauptet, dass die Mehrheit der religiösen Juden nicht an Reinkarnation glaubt. Das ist falsch. Die Wiederverkörperung (Gilgul) ist im religiösen Judentum weitgehend anerkannt. Für die chassidischen Juden ist der Glaube an Reinkarnation ein zentrales Element ihres religiösen Selbstverständnisses. Sie bildeten vor dem Holocaust die Mehrheit des europäischen Judentums und sind auch heute einer der grössten jüdischen Gruppierungen. Dass die Opfer des Holocaust wiedergeboren werden, ist für sie eine Selbstverständlichkeit (vgl. Rabbi Yonassan Gershom: «Kehren die Opfer des Holocaust wieder?»). Meine Grosseltern sind in Auschwitz ermordet worden. Dass sie ein neues Leben haben können, bedeutet für mich Genugtuung und Trost. Der Gedanke, dass auch Anne Frank sich wiederverkörpern wird, ist für einen religiösen Juden kein Problem. Ob sie als Barbro Karlén wiedergekommen ist, weiss ich nicht. Ich habe Barbro Karlén persönlich kennengelernt und gewann den Eindruck, dass sie eine ausserordentlich bescheidene und integere Person ist. Es sind vor allem nichtreligiöse Juden, die den Gedanken von Reinkarnation ablehnen. Dazu gehören die paar wenigen Mitglieder der «Aktion Kinder des Holocaust». Sie haben vom Judentum offensichtlich keine Ahnung und sind in keiner Weise repräsentativ. Der übertriebene Aktivismus und die unwürdige Vereinnahmung des Holocaust durch diese Gruppe löst in jüdischen Kreisen allgemein Missfallen aus. Ihre Mitglieder glauben offenbar, dass die Opfer des Holocaust ewig tot und die Täter ewig schuldig sind. Aus den Quellen des Judentums erfahren wir ganz anderes. Diejenigen, die gelitten haben, werden andere, bessere Leben haben, und die Verbrecher können zum Guten umkehren - wenn nicht in diesem Leben, dann in einem anderen. Dem reuigen Sünder wird verziehen werden, wobei die Art des Ausgleichs für seine Taten im Himmel bestimmt wird. Dieses Ausgleichssystem entspricht dem, was man in der indischen Tradition «Karma» nennt. Karma ist kein «Straf»-Gesetz, sondern ein Weg des Lernens, so wie auch die jüdische Religion als solche nicht als Gesetz, sondern als Weg (Halacha) und als Lehre (Thora) verstanden wird. Der Mensch muss über viele Inkarnationen hinweg lernen, das Gute selber zu wollen. Im Paradies war er auch gut, aber er «wollte» das Gute nicht. Er war unbewusst gut. Wer sich nie schuldig gemacht hat, wird nie die Scham empfinden, die ihn dazu bringt, inskünftig Gutes zu tun. Durch eigenes Leid stärken wir unser Mitgefühl. Aus Jesaja 53 lernen wir, dass Menschen auch Leiden auf sich nehmen können, um die karmischen Lasten anderer mitzutragen.

Alles hat einen Sinn: das Schuldigwerden wie das Leid. Wer das nicht glaubt, muss sich fragen, ob er nicht an Gott zweifelt, denn dieser hat beide Möglichkeiten geschaffen. Und welcher gläubige Mensch will behaupten, dass Gott Sinnloses schafft? Wenn wir genug Liebe und Mitgefühl gelernt haben, werden wir der Auferstehung würdig sein. Reinkarnation und Karma sind Ausdruck der göttlichen Gnade. Was die «Aktion Kinder des Holocaust» verkündet, ist eine Botschaft der Trostlosigkeit. Die jüdische Religion dagegen lehrt uns, dass es eine göttliche Gnade, ein Verzeihen und eine Auferstehung von den Toten gibt. Sie ist eine Botschaft der Hoffnung und der Freude.

David Schweizer,

Präsident der Zionistischen Vereinigung Basel

Zum Reinkarnationsgedanken in Asien (Auszug aus dem Buch "Reinkarnation" von Ronald Zürrer - Govinda Verlag):

Alle asiatischen Kulturen und Religionen – so verschieden sie auch sein mögen – zeichnen sich insbesondere durch eine Gemeinsamkeit aus: durch ihre Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten von Karma und Reinkarnation. (Diesem und wohl einzig diesem Umstand ist es übrigens auch zuzuschreiben, daß der Reinkarnationsgedanke bei uns zuweilen auch heute noch fälschlicherweise für etwas Östliches, etwas Asiatisches und somit für etwas „Fremdes“ gehalten wird.)

Zu den asiatischen Religionen, die sich zur Reinkarnation bekennen, zählen vornehmlich die beiden großen, Hinduismus und Buddhismus, die beide ihren Ursprung in Indien haben. Es gehören aber auch die indischen Religionen des Jainismus und des Sikhismus dazu sowie der persische Zoroastrismus, der chinesische Konfuzianismus und Taoismus, der tibetische Lamaismus und der japanische Shintoismus – um nur die wichtigsten zu nennen (siehe obenstehendes Schema „Die zehn Weltreligionen“).

Da wir uns in diesem Kapitel insbesondere mit der Entwicklung des Reinkarnationsgedankens in der abendländischen Geisteswelt beschäftigen möchten, werde ich mich hier auf diesen einen berühmten Ausspruch des Gautama Buddha beschränken: 

Als ich zu vollkommener Schauung gelangt war, da erinnerte ich mich an meine früheren Daseinsformen, an ein, an zwei, an tausend Leben. Dort war ich, jene Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Beruf, solches wohl und mehr habe ich erfahren.

Zum Reinkarnationsgedanken im Judentum und im Alten Testament

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Hauptströmungen der drei semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) anerkennen heute den Reinkarnationsgedanken offiziell nicht. Dennoch finden sich bei allen drei in zahlreichen einzelnen Gruppierungen und Traditionen der Vergangenheit wie auch der Gegenwart eindeutige Hinweise auf diese Lehre.

Im Falle des Judentums, aus dem sich die beiden anderen entwickelten, wird im „Bertelsmann-Lexikon des Judentums“ unter dem Stichwort Seelenwanderung eine Wiederverkörperung der Seele erwähnt, die in Hebräisch Gilgul genannt wird, wörtlich „das Rollen“. (Interessanterweise ist dieses Wort verwandt mit dem hebräischen Galgal, „das Rad“; das gleiche Bild des sich immerfort drehenden Rades kommt auch im Sanskritwort für Reinkarnation, Samsara, zum Ausdruck.)

Der jüdische Philosoph Prof. Friedrich Weinreb (1910–1988), einer der größten Kenner des alten Judentums, erklärt diesen Begriff „Gilgul“ in seinem Werk „Das Buch Jonah – nach der ältesten jüdischen Überlieferung“. Im Kapitel „Gilgul, mißverstandene Reinkarnation“ (S. 100–103) schreibt er, der jüdische Begriff für die ewige göttliche Geistseele, Neschamah (hebräisch, wörtlich „Atem, Hauch“), bezeichne den in jedem Menschen gleichermaßen vorhandenen, unzerstörbaren und vollkommenen Gottesfunken, der sich einmal als diese, einmal als jene historische Persönlichkeit auf der Erde inkarniert. Eine solche „Inkarnation“ heiße dann Gilgul. (Auf Seite 104 erwähnt Weinreb z.B. vier „Gilguls“ der Eva: Sarah, Channah, die Schunamitische aus 2 Kön 4 und die Witwe von Zarpath.) Klar hebt Weinreb bei seiner Beschreibung auch die Notwendigkeit der Rückkehr des Menschen aus der diesseitigen Welt in das jenseitige Königreich Gottes hervor.

David Schweizer, Präsident der Zionistischen Vereinigung Basel, schreibt (in einem Leserbrief zum Artikel „Eine Reinkarnation wirbelt Staub auf“, BaZ Nr. 120, 6. Juni 1998): 

In diesem Artikel wird behauptet, daß die Mehrheit der religiösen Juden nicht an Reinkarnation glaubt. Das ist falsch. Die Wiederverkörperung (Gilgul) ist im religiösen Judentum weitgehend anerkannt. Für die chassidischen Juden ist der Glaube an Reinkarnation ein zentrales Element ihres religiösen Selbstverständnisses. Sie bildeten vor dem Holocaust die Mehrheit des europäischen Judentums und sind auch heute eine der größten jüdischen Gruppierungen.

Und der jüdische Gelehrte Rabbi Jacob N. Shimmel, Gründer und Leiter der „Torah and Talmud Beth Rabbinical Association“ in New York, sagt:  

Der Glaube an die Reinkarnation gehört eigentlich zu den Grundsätzen des Judentums. Doch heutzutage ist dieses Thema nahezu tabu, da sich seine Behandlung mehr oder weniger auf die kabbalistische Literatur, die Mystik, beschränkt... In Hebräisch wird die Reinkarnation „Gilgul“ genannt, ja es gibt sogar einen ganzen Abschnitt innerhalb der Kabbala, der Sefer HaGilgulim heißt. Dort werden die Einzelheiten in bezug auf die Reinkarnationslehre erörtert. Es heißt dort zum Beispiel, daß es möglich ist, als Tier, als Baum, als Insekt und sogar als eine gewisse Art von Stein wiedergeboren zu werden. Dennoch gehört die Seelenwanderung nicht zu den zentralen Lehren des Judentums, denn wir legen in unserer Spiritualität in erster Linie Nachdruck auf das Hier und Jetzt. (in: „Om Shalom“, 1990, S. 24)

Das orthodoxe Judentum kennt insbesondere drei heilige Schriften, die wir nun im Hinblick auf den Reinkarnationsgedanken kurz untersuchen möchten: 

1. Das Alte Testament

2. Der Talmud

3. Der Sohar (Kabbala)

Das Alte Testament.
In den heute überlieferten Schriften des Alten Testaments finden sich nur (noch) sehr vereinzelte Andeutungen auf Karma und Reinkarnation, wobei dies möglicherweise auch damit zusammenhängen könnte, daß im Verlaufe der Geschichte immer wieder Korrekturen am Text vorgenommen und bestimmte Lehren bewußt beseitigt wurden.

Dennoch wird aus der Gesamtschau ersichtlich, daß gewisse Kenntnisse dieser Gesetzmäßigkeiten bereits beim alten jüdischen Volk vorhanden waren. So deutet beispielsweise der folgende Vers aus dem ersten Buch Mose auf ein vages Verständnis der Karma-Gesetze hin: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen“ (Gen 9,6). Auch wird die Präexistenz der Seele von Salomo im Buch der Weisheit bestätigt: „Ich war ein begabtes Kind und hatte eine gute Seele erhalten, oder vielmehr: gut, wie ich war, kam ich in einen unverdorbenen Leib“ (Weish 8,19–20). Und beim Propheten Jeremias heißt es: „Das Wort des Herrn erging an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt“ (Jer 1,4–5).

Eine berühmte Stelle, die zuweilen aus dem Zusammenhang gerissen und als Beweis gegen die Reinkarnation angeführt wird, findet sich ebenfalls im Buch der Weisheit: „Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten, unser Ende wiederholt sich nicht; es ist versiegelt, und keiner kommt zurück.“ (Weish 2,5) Doch gilt es hier zu beachten, daß diese Stelle aus der „Rede der gottlosen Frevler“ stammt, die wenige Verse später verurteilt wird: „So denken sie [die Frevler], aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen.“ (Weish 2,21–22)

Im richtigen Zusammenhang betrachtet, entpuppt sich diese Bibelstelle als vorsichtiger Beweis für das Weiterleben nach dem Tode und dafür, daß wir uns gemäß der Karma-Gesetze für unsere Taten vor Gott werden verantworten müssen. Jemand, der diese Wahrheit nicht akzeptiert, „versteht nichts von Gottes Geheimnissen“, sagt der Verfasser der Weisheit.

Im Buch des Propheten Ezechiel (entstanden um 600 v.u.Z.) wird sogar die Wiederkunft (Reinkarnation) König Davids angekündigt, der vier Jahrhunderte zuvor gelebt hatte: „Gott sprach: Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden, und er wird ihr Hirt sein. Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein.“ (Ez 34,23–24)

Die wohl eindeutigste alttestamentarische Textstelle finden wir schließlich in einem Gebet des Mose im Psalter: „Du läßt die Menschen zurückkehren zum Staub und sprichst: Kommt wieder, ihr Menschen! Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.“ (Ps 90,3–4) 

Der Talmud
Deutlicher als das heutige Alte Testament sprechen sich dagegen diejenigen jüdischen Texte aus, die das Christentum im Gegensatz zum Judentum nicht als göttliche Offenbarungen anerkennt.

Der Talmud (hebräisch, wörtlich „die Lehre, die Wissenschaft“) ist ein Sammelwerk rabbinischer Kommentare zum jüdischen Glauben und zur Tradition desselben. Er enthält die Auslegungen, Anwendungen und Weiterbildungen der mosaischen Gesetze der Thora. Mit dem Begriff Thora (hebr., wörtlich „das Gesetz“) bezeichnet das Judentum die fünf Bücher Mose des Alten Testaments (griech. auch Pentateuch, wörtlich „Fünfrollenbuch“, genannt). Während die Thora das „geschriebene Gesetz“ darstellt, versteht man unter dem Talmud das „ungeschriebene“, von verschiedenen Rabbinerschulen mündlich weitergegebene Gesetz, das laut Überlieferung ursprünglich – ebenso wie die Thora – von Mose (13. Jh. v.u.Z.) stammt. Erst später, beginnend im 6. Jahrhundert v.u.Z., wurden die Lehren des Talmud schriftlich in Aramäisch und Hebräisch niedergelegt (abgeschlossen im 5. Jh. n.u.Z.).

Im spätantiken Judentum und im Talmud finden sich eindeutige Aussagen bezüglich des Auferstehungsglaubens, in letzterem auch über die Präexistenz der Seele, sowie zahlreiche Hinweise auf eine Art Seelenwanderung, wenn es beispielsweise heißt, Abels Seele sei in Seths Körper und von dort in Moses übergegangen. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus Flavius, ein Zeitgenosse Jesu, berichtet in seinen „Jüdischen Altertümern“, daß ein Großteil der Juden seiner Zeit an die Seelenwanderung glaubte, insbesondere die Gemeinden der Essener und Nazarener, aus deren Kreis Johannes der Täufer und, zumindest ideologisch, auch Jesus hervorgingen. Nach Josephus waren die Pharisäer der Ansicht, daß die unsterbliche Seele im Jenseits ein Stadium vergeltenden Ausgleichs durchschreite, wonach für die Tugendhaften die Wiedergeburt in einem neuen Körper erfreulicher sei als für die Sündhaften.

Die traditionellen Anhänger des Talmud nahmen an, Gott habe nur eine bestimmte Anzahl von Judenseelen geschaffen, die daher immer wieder geboren würden, solange es Juden gäbe. Bisweilen würden sie auch zur Strafe in Tierkörper versetzt, seien aber am Tage der Auferstehung alle gereinigt und würden in den Leibern der Gerechten ins Gelobte Land zurückkehren.

Im Buch des Israeliten Schalom Ben-Chorin (1913–1999) mit dem Titel „Bruder Jesus, der Nazarener in jüdischer Sicht“ (1967) wird bestätigt, daß der Reinkarnationsgedanke im Judentum der Zeit Jesu offensichtlich Volksglaube gewesen war. Im Talmud fänden sich, wie der Autor schreibt, oft Notizen, „die auf einen Seelenwanderungs- oder Wiedergeburtsglauben schließen lassen, wie etwa die Bemerkung: Mordechai, das ist Samuel! Hier will gesagt sein, daß der Jude Mordechai, der Onkel der Königin Esther, eine Wiedergeburt des Propheten Samuel war.“

Ben-Chorin bemerkt weiter, daß die Reinkarnationslehre vor allem in der jüdischen Mystik, der Kabbala, weiterentwickelt worden und später auch in den chassidischen Volksglauben eingegangen sei. Nach dieser Vorstellung würde der Mensch mehrfach wiedergeboren, wobei er einen Gilgul-Neschamah (eine Seelenwanderung) durchmache oder sich einer anderen Seele „anhefte“ (Ibbur-Nescha­mah); dies dauere so lange, bis er seinen Tikkun, seine Erlösung, gefunden habe. Ben-Chorin schreibt dazu: 

Es bleibe hier unerörtert, wie alt diese Vorstellungen [der Reinkarnation] im Judentum sind. Nach der Tradition gehen sie freilich auf die Urtage der Menschheit zurück und wurden vorwiegend durch Rabbi Simon ben Jochai, einen Zeitgenossen Rabbi Akibas, in dem ihm zugeschriebenen Buch Sohar offenbart. Wir wissen heute freilich, daß der Sohar ein mittelalterliches Werk darstellt, aber das schließt nicht aus, daß hier alte Traditionen verarbeitet wurden. (S. 25)

Der Sohar (Kabbala).
Mit dem Begriff Kabbala (hebräisch, wörtlich „Überlieferung“) wird die mittelalterliche jüdische Mystik und Esoterik bezeichnet, eine Sammlung verschiedener Geheimlehren, welche nach Auffassung vieler hebräischer Gelehrter die versteckte Weisheit hinter den mosaischen Texten offenbaren. Die ersten kabbalistischen Schriften stammen aus der Zeit vom 9. bis 13. Jahrhundert und stehen unter dem Einfluß mannigfaltiger philosophischer Richtungen. So vereinen sie jüdische, neuplatonische, gnostische und christliche Lehren mit gewissen Elementen aus der indischen, persischen und islamischen Religion.

Der Sohar (hebräisch, auch Zohar oder Sepher ha Sohar genannt; wörtlich „das Buch des Glanzes“) bildet das Hauptwerk der Kabbala und stellt einen Kommentar zur Thora dar. Die Überlieferung besagt, daß der Sohar ursprünglich auf den jüdischen Theosophen Rabbi Simon ben Jochai (1. Jh.) zurückgeht, während die modernen Gelehrten seine Entstehung auf das Jahr 1280 legen, als der Sohar von Rabbi Moses de Leon in Spanien veröffentlicht wurde. Seine spätere Ausprägung erfuhr der Sohar vor allem durch einen Kommentar von Rabbi Isaak Luria (1534–1572; „palästinensische Kabbala“).

Die Kabbala enthält eine ausgeprägte Seelenwanderungslehre, die als allgemeines Gesetz dargestellt wird. Ihre Lehre besagt, daß der Mensch ursprünglich von Gott ausgegangen sei und letztlich zu Ihm zurückkehren müsse, um die verlorene Unsterblichkeit wiederzugewinnen. Hierzu sei es notwendig, sich so oft wieder zu inkarnieren, bis dieser Reifegrad erreicht sei, wobei die Inkarnationen auch im Tier- und Pflanzenreich stattfinden können. Im Sohar heißt es: 

Die Seelen müssen wieder in das absolute Dasein eintreten, aus dem sie hervorgegangen sind. Aber um dies zu erreichen, müssen sie alle Vollkommenheiten entwickeln, die sie in Samenform bereits in sich tragen. Wenn sie diese Bedingungen während eines Lebens nicht erfüllen, müssen sie ein weiteres Leben beginnen, dann ein drittes usw., bis sie den Zustand erreicht haben, in dem sie sich wieder mit Gott vereinen können. 

Und: 

Alle Seelen sind der Wanderung unterworfen, aber die meisten kennen weder den Weg noch das zugrunde liegende Gesetz, nach welchem sie nach dem Tode und ebenso vor der neuen Verkörperung das Gericht durchschreiten.

Zur Seelenwanderungslehre in der Kabbala schreibt der Schweizer Religionswissenschaftler Dr. Richard Friedli in „Zwischen Himmel und Hölle – Die Reinkarnation“: 

Der Glaube an die Metempsychosis wird auch als eine rationale Erklärung für abwesende oder mangelnde Gerechtigkeit gebraucht. Seelenwanderung gibt dann eine Antwort auf die Frage nach dem „Warum des Leidens“ in der Welt – besonders auf die Frage nach dem Leiden des Gerechten. Das aktuelle Leiden eines gerechten Menschen wird somit als die Buße für im vorausgehenden Gilgul verübte Sünden interpretiert. Das Buch Job liest sich dann nach dem Modell der Seelenwanderung.
 

Das Gesetz der reinigenden Seelenwanderung ist zwar unerbittlich, aber es ist auch ein Zeichen von Gottes Erbarmen, von dem niemand für immer ausgeschlossen ist. Je nach Temperament unterstreichen Kabbalisten mehr die Dimension der Gerechtigkeit oder mehr jene des Erbarmens – so oder so ist die Seelenwanderung die Reinigung der Seele und eine Chance, in einem neuen Anlauf und Versuch die Taten zu verbessern. (S. 37) 

Chassidismus.
Die Reinkarnationslehre hat auch die neuzeitliche jüdische Volksbewegung des osteuropäischen Chassidismus (hebräisch chassidim = „die Frommen“) übernommen, die Mitte des 18. Jahrhunderts durch Israel ben Elieser (1699–1760, genannt auch Baal Schem, „Herr des guten Namens“) begründet wurde und eine mystische Gegenbewegung gegenüber der rationalistischen Nüchternheit des Talmudismus darstellt. Baal Schem lehrte: 

Der Sinn der Wiederkehr ist, daß sich die Einzigkeit – dieses wesentliche Gut des Menschen – von Leben zu Leben immer mehr reinige und vollkommen werde und daß in jedem neuen Dasein der Wiederkehrende in ungetrübter Unvergleichbarkeit erstehe.

Zum Reinkarnationsgedanken im Islam

Der Islam (arabisch, wörtlich „Gehorsam, Ergebung an Gott“) ist die von dem Propheten Mohammed (570–632) verkündete monotheistische Religion der Hingabe des Menschen an den einzigen allmächtigen Gott (arab. Allah). Die heilige Schrift des Islam stellt der von Gott durch Mohammed persönlich offenbarte Koran (arab. Qur’an, wörtlich „die Verkündigung“) dar, der in 114 „Suren“ aufgegliedert ist, welche ihrerseits der Länge nach geordnet sind. In der 2. Sure finden wir folgende interessante Aussage:

Wie könnt ihr an Gott nicht glauben, wo ihr doch tot waret und Er euch lebendig gemacht hat und Er euch dann wieder sterben läßt und darauf wieder lebendig macht. Er ist es, der euch alles, was auf der Erde ist, geschaffen hat. ... Er weiß über alles Bescheid. (2. Sure, Vers 28–29)

Der Islam weist manche Entlehnung aus Judentum und Christentum auf, ist jedoch durch eine starke Vereinfachung religiöser Fragen gekennzeichnet. Die Anhänger des Islam, die Moslems, glauben an die Vorherbestimmung der Handlungen und Schicksale der Menschen durch Allah, an ein Weiterleben nach dem Tode, an die Vergeltung der guten und schlechten Taten in Paradies bzw. Hölle sowie an die Auferstehung der Toten am „Jüngsten Tag“.

Eine ausformulierte Reinkarnationslehre hingegen ist in der offiziellen islamischen Religion heute nicht zu finden, wohl aber – wie bereits im Judentum und im Christentum – bei zahlreichen ein­zelnen esoterischen Gruppierungen.

Sufismus.
Unter den vielfältigen Strömungen innerhalb des Islam sind es vor allem die asketisch-mystischen Sufis, die den Gedanken der Reinkarnation in ihre Lehre aufgenommen haben. Der Sufismus (von arab. suf = „reine, weiße Wolle“, in die sich die Sufis kleiden) ist stark durch außerislamische Lehren, wie den Neuplatonismus und die indischen Philosophien, beeinflußt und blühte vor allem in Persien.

Die Sufi-Lehre besagt in bezug auf das Weiterleben nach dem Tode, daß der Tod für den Menschen kein Verlust sei, da die unsterbliche Seele unablässig im Zyklus der Wiedergeburten durch verschiedene Körperformen wandere, um sich so allmählich zu erheben. Diese Auffassung kommt in dem folgenden, immer wieder angeführten Gedicht des berühmten Sufi-Mystikers Djelal ed-din Rumi (1207–1273) in anschaulicher Weise zum Ausdruck: 

Ich starb als Stein und wurde Pflanze;

Ich starb als Pflanze und wurde Tier;

Ich starb als Tier und wurde zum Menschen.

Warum sollte ich mich also fürchten?

Wurde ich jemals geringer durch den Tod?

Einstmals werde ich als Mensch sterben, und

Werde ein Wesen aus Licht, ein Engel des Traums.

Aber mein Weg führt weiter –

Alles außer Gott verschwindet.

Ich werde, was niemand gesehen oder gehört hat;

Ich werde Stern über allen Sternen

Und strahle über Geburt und Tod.

Andere islamische Traditionen.
Aber auch in anderen Strömungen innerhalb der islamischen Religion tritt der Glaube an die Seelenwanderung (arabisch Tanasukh genannt) vereinzelt auf. Richard Friedli schreibt hierzu: 

...So sind die Vertreter eines Hauptstromes des Schiismus, die Ismailiten, davon überzeugt, daß die Seelen sich in der Welt von Geburt und Tod, von Entstehen und Vergehen abmühen, bis sie den „verborgenen Imam“ erkennen, der die Welt regiert. Dann erheben sich die Seelen in die Welt des Lichtglanzes.
 

Die Nusairier glauben, daß die Sünder ihrer Gemeinschaft als Juden, sunnitische Muslime oder Christen wiedergeboren werden. Die Ungläubigen, welche in Ali – Vetter des Propheten Muhammad und Gatte seiner Tochter Fatima – nicht den großen Weisen erkennen wollen, kehren als Kamele, Maultiere, Esel, Hunde oder andere Tiere zurück. Nach der Lehre der Nusairier gibt es sieben Grade der Seelenwanderung, und die gläubige Seele, welche diese Bereiche durchlaufen hat, steigt zu den Sternen auf, woher sie ursprünglich auch gekommen war.
 

Die Drusen, die im südlichen Libanon leben, haben einen Teil dieser volkstümlichen Seelenwanderungs-Vorstellungen übernommen. Sie gehen davon aus, daß die Seelen der Feinde Alis sich als Hunde, Affen oder Schweine wiederverkörpern.
 

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Zum Reinkarnationsgedanken in Europa

Der deutsche Historiker Uwe Topper (*1940), Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Bücher über frühgeschichtliche Themen, berichtet in seinem Aufsatz „Reinkarnationsvorstellungen in Europa von der Steinzeit bis heute“: 

Felsmalereien und Grabfunde lassen den Schluß zu, daß die ältesten kulturellen Äußerungen europäischer Jägervölker den Gedanken an die Wiedergeburt der Seele zur Grundlage hatten. Einweihungsriten in den Höhlen waren auch schon mit dem Gebrauch von Rauschmitteln verbunden, durch die ein todesähnlicher Zustand ausgelöst wurde, der Einblick in die Zusammenhänge des Lebens ermöglichte. Die Vorstellung, daß sich Tod und Geburt gegenseitig bedingen, gehörte auch später zur Philosophie der Jungsteinzeit. (abgedruckt in: „Wiedergeburt“ von Harald Wiesendanger, S. 40) 

Auch in den antiken europäischen Stammeskulturen, lange bevor sich Europa zum Christentum bekehrte, finden wir zahlreiche Zeugnisse des Reinkarnationsglaubens. Beginnend im hohen Norden, gehören hierzu die Völker Finnlands, Islands und Lapplands; außerdem die Norweger, Schweden, Dänen und Germanen. Eine weitere Gruppe bilden die Letten, die Preußen und die Litauer. Mehr im Südwesten folgen die Kelten in Irland, Schottland, England, Wales und in der französischen Bretagne. Die keltische Kultur umfaßte auch die alten Gallier, die neben den Gebieten des heutigen Frankreich auch Norditalien und Belgien sowie Teile der Niederlande, der Schweiz und Deutschlands bevölkerten. Ganz im Süden schließlich waren natürlich auch die Philosophien der alten griechischen und römischen Hochkulturen mit dem Reinkarnationsgedanken vertraut. (Auf diese werden wir im dritten Teil, „Das klassische Altertum“, noch ausführlich zu sprechen kommen.)

In seinem Werk über die Zivilisation der Wikinger berichtet der Anthropologe Axel Olrik, daß die alten Norweger wie auch die Goten einem neugeborenen Kind oft den Namen eines kürzlich verstorbenen Verwandten gaben, da sie meinten, dieser habe in derselben Familie erneut Geburt genommen. Und unter den Lappen glaubte man, die verstorbenen Vorfahren unterrichteten ihre zukünftigen Mütter im Traum über den Namen, den sie sich wünschten.

Auch in der alten germanischen Literatur findet sich die Lehre der Seelenwanderung an zahlreichen Stellen wieder, und uralte englische und schottische Balladen besingen die Seelen von Männern und Frauen, die in die Körper von Tieren, Vögeln und Pflanzen eingegangen sind. Germanen und selbst Römer (wie Plinius berichtet) hielten sich Hausschlangen als Wächter ihrer Häuser, von denen sie annahmen, es seien Wiederverkörperungen ihrer Vorfahren.

Was die keltischen Völker der Antike betrifft, so gibt es keine direkten schriftlichen Quellen zur Reinkarnation, denn den keltischen Weisen und Priestern, den Druiden, war es verboten, ihre Geschichten und Lieder, die Regeln religiöser Riten und Inhalte ihrer Mysterien schriftlich festzuhalten, und so sind wir gezwungen, auf zeitgenössische römische Schriftsteller zurückzugreifen.

So schreibt z.B. der römische Feldherr Gaius Julius Caesar (100–44) in seinem Werk „De Bello Gallico“ („Der Gallische Krieg“): 

Vor allen Dingen suchen die Druiden davon zu überzeugen, daß die Seelen unsterblich sind und nach dem Tode von einem Körper in einen anderen übergehen. Sie meinen, diese Lehre sei ganz besonders geeignet, zur Tapferkeit anzuspornen, weil man dann den Tod nicht fürchtet. (VI,14,5)

Diodor, der griechische Geschichtsschreiber aus Sizilien, der im 1. Jahrhundert v.u.Z. lebte und eine in Bruchstücken erhaltene Weltgeschichte verfaßte, schreibt über die Kelten: 

Das Sterben achten sie für nichts. Es herrscht bei ihnen nämlich der Glaube des Pythagoras, daß die Seelen der Menschen unsterblich seien und nach einer bestimmten Reihe von Jahren wieder ein neues Leben beginnen, indem die Seele in einen neuen Leib übergeht. Deshalb geschieht es auch, daß bei den Begräbnissen der Verstorbenen Einige an ihre gestorbenen Verwandten geschriebene Briefe in den Scheiterhaufen werfen, gleich als ob diese sie lesen würden. (Fünftes Buch) 

Der Politiker und Dichter Lukan (39–65) läßt die Druiden versichern, daß die Seelen nicht im blassen, stillen Totenreich landeten, sondern daß „mit einem neuen Körper der Geist in einer anderen Welt herrsche“.

In der inselkeltischen Sage wird die Reinkarnationsidee mit Selbstverständlichkeit vertreten. Seelenwanderungen durch unterschiedliche Existenzen finden sich zwar nicht häufig, schließen jedoch, wie einige Metamorphosen, mit einer Wiederverkörperung ab. (Metamorphosen sind bei den Kelten Gestaltsumwandlungen, die zu Lebzeiten bewußt oder unbewußt herbeigeführt werden.) Menschen wie Götter können nach langen Metamorphosen auch als Tiere wiedergeboren werden. Daneben gibt es ebenfalls direkte, unkomplizierte Wiedergeburten als Mensch. So gilt, der Sage nach, der irische heldenhafte Krieger CÍchulainn als Reinkarnation des großen, gesamtkeltischen Gottes Lugh, dessen Sonnen- und Heileraspekt besonders hervorzuheben ist.

Besonders der Stand der Druiden vertrat und förderte den Unsterblichkeitsglauben und die Lehre von der Wiedergeburt. Die anspruchsvolle Ausbildung zu einem anerkannten Druiden dauerte zwölf Jahre und umfaßte neben Philosophie und Gesetzeskunde auch die praktische Kenntnis der zahlreichen Druidengeheimnisse. Viele dieser alten Aufzeichnungen wurden jedoch durch die Ankunft der ersten christlichen Missionare verbrannt und gingen so verloren.

Ross Nichols (1902–1975), ein moderner Vertreter der Druiden (er war gewähltes Oberhaupt des Ordens der Barden, Ovaten und Druiden), arbeitete in seinen letzten beiden Lebensjahren an einem Buch, um die Zusammenhänge druidischer Weisheiten verständlich zu machen. Hier ein Auszug aus seinem erst nach seinem Tode er­schienenen „Book of Druidry“: 

Und Gott bewirkte, daß jedes lebendige und beseelte Wesen jede Art und Form des Seins durchlaufen sollte, auf daß jedes lebendige und beseelte Wesen am Ende vollkommenes Wissen, Leben und Gwynvydd [Kreis der Fülle der Macht, des Wissens und der Güte, erreichbar durch umfassende Liebe und Vollendung] haben möge, und all dies aus der vollkommenen Liebe Gottes, die er kraft seiner Göttlichkeit gegenüber dem Menschen und allen Lebewesen zeigt. 

Bei den traditionellen Lehren und Sitten Irlands finden wir weitgehende Ähnlichkeiten mit dem Brauchtum des alten Indien. Den Kennern Irlands ist seit jeher der Unterschied zwischen der irischen und der allgemein-europäischen Geisteshaltung aufgefallen, und vieles im Wesen des irischen Volkes mutet orientalisch, ja indisch an. So sind denn in den älteren irischen Heldensagen Beispiele der Wiedergeburt keine Seltenheit, wenngleich im Volksglauben die Vorstellung der Reinkarnation nicht direkt mit einer ethischen Läuterung verbunden ist. Zudem ist in Irland der Glaube weit verbreitet, daß die Seelen der Verstorbenen als schwarze Kaninchen oder Frösche wiedergeboren werden. Möwen gelten allgemein als Seelen ertrunkener Fischer und Seeleute, und ein Bauer, der seinem Hof sehr verbunden war, nimmt nach dem Tod die Gestalt einer Kuh auf dem Hof an. Tote können auch als Pferde oder Schweine, als Hunde, Ratten, Schwäne, Tauben, Hähne oder Seehunde weiterleben. Selbst die Namensgebung weist auf den Glauben an die Wiedergeburt der Großeltern als ihre eigenen Enkelkinder hin; irischen Kindern werden nämlich vorzugsweise die Namen bereits verstorbener Großeltern verliehen.

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Weitere Links zum Thema Reinkarnation im Christentum:

Ein Artikel von Johannes Aargaard über Seelenwanderung aus Sicht der christlichen Kirchen.
http://www.religio.de/dialog/395/395s13.html

Ein Auszug aus dem Buch "Reinkarnation" von Ronald Zürrer über die Verbannung des Reinkarnationsglaubens durch das Christentum im Konzil zu Konstantinopel im Jahr 553.
www.bhakti-yoga.ch/FACTS/ReinkFrChr.html

Hier ist eine neue Webseite über Rückführung und Rückführungstherapie, die der Versöhnung zwischen Reinkarnationsglauben und Christentum gewidmet ist
www.christliche-reinkarnation.com

Wiedergeburt - Fakten und Folgerungen. Abhandlung über Reinkarnation mit Hinweisen zur Verbreitung, der Wiedergeburt im Christentum, Belegen und Forschungsergebnissen.
http://home.vr-web.de/si.pe/Wiedergeburt

Reinkarnation im frühen Christentum. Ein Artikel über die Verdammung der Lehre der Reinkarnation 553 n. Chr. von 165 Kirchenleuten, sowie Quellen über Reinkarnation in der christlichen Lehre.
www.zeitenschrift.com/magazin/09101-reinkarnation.ihtml




Zum Reinkarnationsgedanken in Afrika

Im Abendland tritt der Seelenwanderungsgedanke schon in der alten ägyptischen Hochkultur (ab 2000 v.u.Z.) auf, wo man ihn vermutlich ursprünglich aus Persien und Indien übernommen und im Lauf der Jahrhunderte abgewandelt und weiterentwickelt hat. Der griechische Historiker Herodot (485–425) erzählt in seinen Historien: 

Die Ägypter sind auch die ersten, welche folgende Lehre ausgesprochen haben: daß des Menschen Seele unsterblich sei und, wenn der Leib zugrunde gehe, in ein jeweils entstehendes anderes Lebewesen eingehe; wenn sie aber durch allerlei Land-, Wasser- und Lufttiere gewandert sei, gehe sie wieder in einen entstehenden Menschenleib ein... Diese Lehre haben sich auch einige Hellenen angeeignet, die einen früher, die anderen später, als ob sie ihr geistiges Eigentum sei. (Zweites Buch, 123. Kapitel)

Das altägyptische Wort Khou bezeichnet die Seele der Verstorbenen, die sich nach dem Tode in die Unterwelt (Ker-Neter) begibt, wo die guten und schlechten Taten gewogen und vom Sonnengott Osiris beurteilt werden. Dabei wird das Herz auf eine Waagschale gelegt, während auf der anderen Seite die Gerechtigkeit ruht. Was die Waage zeigt, wird alsdann von Thot, dem Gott der Weisheit, notiert und bestimmt das weitere Schicksal der Seele. Während der Gerechte Aufnahme als Begleiter des Osiris findet, wird der Ungerechte auf dem Unterwelt-Schafott Nemma hingerichtet, wobei ihm ein Nilpferd den Kopf abbeißt. Bevor diese Strafe vollzogen wird, muß die Seele nochmals auf Erden umherirren und viele Prüfungen bestehen, wobei sie die Macht hat, beliebige Körperformen anzunehmen und sowohl in Menschen als auch in einbalsamierte Mumien einzudringen. Offensichtlich kannten die alten Ägypter auch das Phänomen der Besessenheit, wie eine Tempelinschrift bezeugt, die von einer Königstochter berichtet, von der eine „böse Seele“ Besitz ergriffen hatte.

Nachdem die Griechen die Herrschaft über Ägypten errungen hatten, übernahmen sie teilweise die altägyptische Religion und Mythologie und damit wohl auch gewisse Gedanken der Reinkarnationslehre (siehe nächster Teil: Das klassische Altertum).

Bereits Jahrhunderte vor der Ankunft der Europäer blühten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent zahlreiche hochstehende Kulturen, wie die großen Reiche von Ghana, Mali und Songhai oder die mächtigen Königreiche von Ashanti, Ife und Benin. Die Stadt Timbuktu in Mali (früherer Sudan) war im 15. Jahrhundert der Sitz einer bedeutenden Universität, die den Treffpunkt vieler afrikanischer Gelehrter bildete. Und fast alle afrikanischen Stämme waren in der einen oder anderen Form mit dem Reinkarnationsgesetz vertraut.

Im „Hibbert Journal“ vom April 1957 berichtet Dr. E.G. Parrinder von der Universität Ibadan (Nigeria), Autor zahlreicher Bücher wie „Die traditionelle Religion Afrikas“ oder „Westafrikanische Psychologie“, in einem Artikel über „Verschiedene Arten des Reinkarnationsglaubens“: 

Im tropischen Afrika ist der Glaube an die Wiedergeburt tief verwurzelt. Die Studien, die insbesondere in den letzten vierzig Jahren von Anthropologen und anderen ernstzunehmenden Forschern in den verschiedensten Teilen Afrikas erstellt wurden, haben gezeigt, daß die meisten afrikanischen Völker einen tiefen Glauben an die Reinkarnation besitzen.

Auch der Ethnologe Theodore Besterman, der die religiösen Überzeugungen von über hundert Völkern aus allen Teilen des Kontinents erforschte und systematisierte, kam zu folgendem Ergebnis: 36 Stämme, unter ihnen die kulturell und philosophisch am weitesten entwickelten, glauben, daß die Toten als Menschen auf die Erde zurückkehren; 47 Stämme glauben, sie kämen als Tiere wieder, und 12, als irgendwelche anderen Lebewesen.

Unter denjenigen Stämmen, die an die Wiedergeburt als Mensch glauben, besitzen wohl die Zulus in Südafrika die umfassendste Reinkarnationslehre. Manche Historiker vermuten, daß bereits in vedischer Zeit Verbindungen zwischen dem indischen Subkontinent und Südafrika bestanden, wodurch sich gewisse Ähnlichkeiten mit der vedischen Philosophie erklären ließen. Die Zulus glauben, daß in jedem Körper eine individuelle Seele (Idhlozi) ruht, in welcher seinerseits ein Funke des universellen göttlichen Geistes (I-Tongo) leuchtet. Sie beschreiben darüber hinaus, daß es insgesamt sieben aufsteigende Stufen der menschlichen Existenz gebe, nämlich 1. den Schüler, 2. den Studenten, 3. den Bruder, 4. den Älteren, 5. den Meister, 6. den Wissenden (Isangoma) und 7. den vervollkommneten Menschen (Abakulu-bantu), der nach vielen Inkarnationen einen Zustand erreicht hat, in dem er nicht wiedergeboren werden muß. Er bewegt sich auf der Erde in einem physischen Körper nach seiner eigenen Wahl und kann diese Form nach Belieben entweder behalten oder verlassen. Das endgültige Ziel der Seele ist die Wiedervereinigung mit dem I-Tongo.

In einer westafrikanischen Sprache wird das Phänomen der Reinkarnation mit dem Begriff „wiederkommender Kreis“ beschrieben, wobei bemerkenswert ist, daß derselbe Begriff für eine Kletterpflanze verwendet wird, die sich an einem Pfahl allmählich emporwindet. Bei der Wiedergeburt handelt es sich nach dieser Ansicht also nicht um eine endlose Kreisbewegung, sondern um eine aufwärts strebende Spirale. Der ghanaische Lehrer und Wissenschaftler K. Brakatu Ateko schreibt (1962): 

In der westafrikanischen Yoruba-Sprache gibt es Sprichwörter, die das Gesetz des Karma illustrieren – „Wenn Herr Eidechse roten Pfeffer ißt, muß er schwitzen und nicht Frau Eidechse“ oder „Wenn Akosua etwas Böses anrichtet, wird nicht Akua bestraft.“ Die Stämme der Yorubas und Edos, unter denen ich mich vor einem halben Jahrhundert als Lehrer aufhielt, besitzen einen starken Glauben an die Reinkarnation. Zu jener Zeit hatte der Einfluß des weißen Mannes den Glauben und das tägliche Leben des nigerianischen Hinterlandes noch nicht beeinflußt. Zum Beispiel nennen die Yorubas einen Sohn Babatunde, was heißt, „Vater ist zurückgekommen“, und ein Mädchen wird oft Yetunde genannt, „Mutter ist zurückgekommen“. In Ghana hat der Name Ababio, „er ist wiedergekommen“, dieselbe Bedeutung.

Häufig ist man also der Überzeugung, daß die Vorfahren in derselben Familie wiedergeboren werden, oft sogar als ihre eigenen Enkelkinder, und für gewöhnlich wird der Medizinmann des Stammes beauftragt, nach der Geburt eines Kindes zu ermitteln, welcher Vorfahre wiedergekommen sei.

In Nordnigeria herrscht die Vorstellung, daß die Seelen der Toten in der Nähe ihres ehemaligen Hauses in Baumstämmen versteckt auf die Gelegenheit warten, wieder in den Leib einer Mutter einzugehen, und in ähnlicher Weise glauben die Frauen im Süden Nigerias, daß die Seelen ihrer Kinder aus nahegelegenen Bäumen, Felsen oder Wasserstellen, wo sie auf die Wiedergeburt warten, zu ihren Müttern gelangen. Manchmal kommt es auch vor, daß ein Vorfahre einer Frau in einem Traum seinen Wunsch mitteilt, als ihr Kind wiedergeboren zu werden.

Der Bassongo-Stamm besitzt den Glauben, daß die Seele nach dem Tod des physischen Körpers zunächst zu Gott im Zentrum des Erdplaneten gelangt, wo sie nach einiger Zeit (zwischen zwei Monaten und zwei Jahren) vom Heimweh geplagt wird und darum bittet, wieder als Kind auf der Erdoberfläche geboren zu werden, wobei das Geschlecht sich durchaus ändern kann. Einige afrikanische Stämme glauben auch, daß die Seelen der Verstorbenen als Schlangen in ihr ehemaliges Zuhause zurückkehren; diesen wird zuweilen Milch oder Fleisch geopfert, um die hungrigen Vorfahren zu sättigen und damit sie das eigene Haus beschützen mögen.

Der Betsileo-Stamm in Madagaskar lehrt, daß die Adligen als Boa Constrictor wiedergeboren werden, die gewöhnlichen Stammesmitglieder als Krokodile und der Abschaum des Stammes als Aale. In anderen Stämmen herrscht die Meinung, daß die Seelen der Menschen in alle möglichen Tierkörper eingehen, wobei nur Häuptlinge Löwen oder Flußpferde werden dürfen.

Das zukünftige Schicksal hängt, wie beim Karma-Gesetz in der vedischen Philosophie, auch von den Taten im gegenwärtigen Leben ab. Arme und vernachlässigte Menschen zum Beispiel werden zu Schimpansen; die Seele eines Menschen, dessen Nachkommen nicht die erforderlichen Rituale ausgeführt haben, kehrt als einsiedlerisches Tier oder als Verrückter wieder; wer keine Nachkommen besitzt und wessen Familie ausstirbt, wird zu einem Frosch. Allgemein werden die Guten als Menschen oder als nützliche Tiere wiedergeboren, während die Schlechten in den Körper wildlebender Tiere eingehen müssen.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Afrikaner, im Gegensatz beispielsweise zu den Buddhisten, das Leben auf der Erde als etwas Schönes und Fröhliches und die Reinkarnation als großes Glück für die Seele betrachten. Man findet bei ihnen kaum die Vorstellung, daß dieser Kreislauf letztlich ein Ende haben könnte. Im Gegenteil: Nicht wiedergeboren zu werden wird als schlecht erachtet, und Kinderlosigkeit gilt als Fluch, weil sie den „Fluß der Wiedergeburten“ aufhält.

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Zum Reinkarnationsgedanken in Nord-, Mittel- und Südamerika

Die Tlingit-Indianer Alaskas besitzen eine der vedischen Auffassung stark verwandte Vorstellung von Karma und Reinkarnation. Die meisten Anthropologen sind sich heute einig, daß der Ursprung des zivilisierten Menschengeschlechts in Asien, genauer in Indien, liegt und daß die Überwanderung nach Amerika bereits vor Jahrtausenden durch die heutige Beringstraße erfolgte, und zwar zu einer Zeit, da Asien und Amerika durch eine Landbrücke verbunden oder durch eine viel engere Wasserstraße als die heutige Meerenge voneinander getrennt waren.

Der amerikanische Parapsychologe Dr. Ian Stevenson, der in den Jahren 1961–1965 ausgedehnte Studien von Reinkarnationsfällen unter den Tlingit-Indianern betrieb, schreibt in diesem Zusammenhang in seinem Standardwerk „Reinkarnation – Der Mensch im Wandel von Tod und Wiedergeburt“: 

Den Beweis dafür liefert die Tatsache, daß Kunst, Architektur, Sitten, Gebräuche und Glaubensvorstellungen der Völker Nordsibiriens denen der Eingeborenen Nordwestamerikas äußerst ähnlich sind. ... Die meisten Anthropologen glauben, daß die Wanderungen aus Asien und der Kontakt zwischen den Kulturen von Asien und Amerika Jahrtausende vor der christlichen Ära aufgehört haben. Einiges Material jedoch legt nahe, daß ein beträchtlicher Kontakt zwischen Asien und Nordwestamerika noch weit bis in die christliche Ära fortbestanden hat, möglicherweise sogar bis kurz vor dem Beginn der historischen Periode in Alaska im 18. Jahrhundert. ... Wir wissen, daß den Tlingits ihr Reinkarnationsglaube nicht von den Europäern übermittelt wurde, da Alaska-Reisende im frühen 19. Jahrhundert den Glauben unter ihnen fest verankert fanden. (S. 234–35)

Die Tlingit-Indianer besitzen in Ergänzung zur eigentlichen Reinkarnationslehre, die für sie selbstverständlich ist, auch eine Vorstellung, die stark mit dem Gesetz des Karma verwandt ist, wenngleich dieser Begriff selbst nicht verwendet wird. Sie gehen davon aus, daß Glück und Unglück von den Taten im vergangenen Leben abhängig sind, und sie haben eine höchst interessante Wissenschaft entwickelt, durch die man anhand der Muttermale eines neugeborenen Kindes eindeutige Hinweise darauf ableiten kann, wer wiedergeboren worden ist. Auch bei den Tlingit-Indianern findet die Wiedergeburt in den meisten Fällen innerhalb desselben Stammes statt.

Auch bei den meisten Eskimostämmen im gesamten Gebiet zwischen Alaska und Grönland finden wir konkrete Reinkarnationsvorstellungen. Dies bestätigt der Forscher Vilhjalmur Stefansson, der über zehn Jahre mit den Eskimos im Coronationgolf lebte. Die Wiederverkörperung als Tier wird nicht ausgeschlossen; eine Eskimofrau zum Beispiel weigerte sich, Walroßfleisch zu essen, nachdem ihr ein Medizinmann mitgeteilt hatte, ihr verstorbener Ehemann sei in den Körper eines Walrosses eingegangen. Es herrscht auch der Brauch, daß ein älterer Eskimo sich ein frisch vermähltes Ehepaar auswählt und sie bittet, ihr erstgeborenes Kind werden zu dürfen. Handelt es sich um einen guten und ehrenwerten Herrn, willigt das Paar ein, worauf er sich in einiger Entfernung zurückzieht und sich selbst tötet, so daß er in der entsprechenden Familie Geburt nehmen kann. Einige Eskimos in Alaska entwickelten gar ein System von fünf aufeinanderfolgenden Himmeln, die einer nach dem anderen jeweils nach einer irdischen Inkarnation erlangt werden, wodurch die Seele allmählich geläutert wird und letztlich Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlangt.

Mindestens einige Dutzend weiterer nordamerikanischer Indianerstämme weisen ebenfalls teilweise weitreichende Konzepte der Reinkarnation auf. So bauten beispielsweise die Hopi in Arizona eine Straße vom Grab eines verstorbenen Kindes zu seinem ehemaligen Heim, so daß die Seele noch einmal als das nächste Kind in derselben Familie geboren werden konnte.

In „Das Buch der Hopi“ schreibt der amerikanische Hopi-Kenner Frank Waters (1902–1995): 

Leben und Tod werden ... nicht als zwei verschiedene Stufen angesehen, in denen sich das zeitliche und das jenseitige Dasein der Menschheit erschöpft, sondern als zwei einander ergänzende Phasen eines immer wiederkehrenden Kreislaufs. Diese Phasen schließen in ungebrochener Stetigkeit aneinander an, bis die Menschheit alle sieben aufeinanderfolgenden Welten in allen sieben aufeinanderfolgenden Universen durchmessen und somit schließlich alle 49 Stufen des Gesamtdaseins vollendet hat. Das liegt im Ritualsystem und in der Symbolik der Hopi offen zutage. ... Das Zeremonialsystem der Hopi beschäftigt sich nicht mit der Auslegung von Glaubensinhalten, durch die das Individuum seine Seele vor der ewigen Verdammnis im Tod retten kann, sondern es stellt einfach den kosmischen Plan dar, in dem sich alle Lebensformen auf die ihnen bestimmten Ziele zubewegen. Der Hopi sucht keine Abkürzung für den Weg des Lebens, sondern er ist zufrieden damit, sich langsam und und im Einklang mit allem Leben ringsum in einem Sinnzusammenhang zu bewegen, in den er durch seine Geburt hineinversetzt wurde. (S. 102f.)

Mittelamerika

Seit der Entzifferung der Maya-Schrift durch den Religionswissenschaftler Paul Arnold wissen wir, daß die Maya von einer feinstofflichen Existenzebene zwischen zwei inkarnierten Leben überzeugt waren. Bevor der Tote wiedergeboren werden kann, muß er verschiedene Stadien der Läuterung durchlaufen. Seine Wiedergeburt ist von den himmlischen Kräften abhängig, die wiederum von lebenden Menschen (insbesondere vom Priester) mobilisiert werden. Nicht nur der Geschlechtsakt, auch die Anrufung und Beschwörung des Magiers sowie verschiedene Rituale und ein günstiger Zeitpunkt sind erforderlich, um den Verstorbenen auf die Reise zur Wiedergeburt zu bringen. In „Das Totenbuch der Maya“ weist Arnold auf erstaunliche Parallelen zwischen den Jenseitsvorstellungen der Maya und denen des Buddhismus hin.

Bei anderen Stämmen war es üblich, daß sich Frauen, die sich Kinder wünschten, um einen Sterbenden versammelten, in der Hoffnung, seine Seele würde in ihren Leib eingehen. Es heißt auch, daß nur diejenigen, die rein im Herzen sind, sich an ihre vergangenen Leben erinnern können.

Der Brauch des Skalpierens weist darauf hin, daß gewisse Indianer der Auffassung waren, die Seele befinde sich im Haar des Menschen, und in den meisten indianischen Kulturen herrschte der Glaube, daß jemand, der sich freiwillig als menschliches Opfer für die Götter zur Verfügung stelle, im nächsten Leben auf der Erde spezielle Belohnungen ernten werde. Ein anderer weitverbreiteter Glaube besagte, daß die Weißen (Europäer) wiedergeborene Indianerhelden der Vergangenheit waren, die gekommen waren, um sich der Ländereien zu bemächtigen, die sie einstmals besessen hatten. Diese Auffassung könnte auch eine der Ursachen gewesen sein, daß das gesamte Reich der Inkas von einer Handvoll Spaniern zu Fall gebracht werden konnte.

Südamerika

In ganz Südamerika, vor allem in Brasilien, ist der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode im Volk tief verankert. Aus den ursprünglichen indianischen, aber auch aus den afrikanischen Elementen in der südamerikanischen Kultur entstanden ein sehr starker Glaube an eine Geisterwelt sowie unzählige Praktiken, die dazu bestimmt sind, diese Welt in den Alltag hineinwirken zu lassen. Dazu gehören auch die okkulte Beschäftigung mit (schwarzer) Ma­gie sowie die Bewußtseinsmanipulation durch Drogen.

Nicht weniger als fünf Prozent der Bevölkerung Brasiliens bezeichnen sich heute formell als Spiritisten, aber es gibt überzeugende Beweise dafür, daß weitere 25% der Brasilianer spiritistisch tätig sind, obgleich sie bei der Volkszählung als römisch-katholisch registriert wurden. Auch hier ist die Auffassung, daß die Seele eines Menschen wieder in Tierkörper eingehen könne, weit verbreitet.

Es läßt sich feststellen, daß das Wissen um übersinnliche Dimensionen gerade in Südamerika meistens dazu verwendet wird, mit Hilfe feinstofflicher Naturmächte das Leben anderer zu beeinflussen, während Hinweise auf das Bestreben, sich aus dem Kreislauf von Geburt und Tod zu befreien, praktisch nicht zu finden sind.

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Zum Reinkarnationsgedanken in Ozeanien und Australien

Das Wissen um die Seelenwanderung ist auch bei den Ureinwohnern Ozeaniens (pazifische Inseln), Indonesiens und Australiens weit verbreitet. So sind zum Beispiel die Dayaks auf Borneo der Ansicht, daß die Seele verstorbener Menschen mehrere Tode durchmachen muß, bevor sie schließlich zu einem Insekt oder einer Urwaldpflanze wird. Mehrere Völker Melanesiens glauben, daß die Seelen für eine gewisse Zeit in einer jenseitigen Welt leben, dort ein zweites Mal sterben und dann zu weißen Ameisen oder irgendwelchen anderen Geschöpfen werden.

Die Einwohner Nordguineas betrachten Affen, Schlangen und Krokodile als heilig, da in ihnen die Seelen der verstorbenen Vorfahren ruhen. Aus dem gleichen Grunde essen gewisse Völker Neuguineas keine Fische, Schweine oder Kasuare. Einige indonesische Stämme schließlich glauben, die Seelen würden wilde Tiger, Nashörner oder Elefanten werden, um in dieser Form ihre Stammesgenossen zu beschützen.

Auf Celebes vertreten die Poso Alfures eine der vedischen Philosophie sehr ähnliche Auffassung von drei verschiedenen Bestandteilen des Menschen: das Lebensprinzip (Inosa), der Intellekt (Angga) und das göttliche Element, die Seele (Tanoana). Letztere verläßt während des Schlafes den Körper und wandert in Träumen, und nach dem Tod wandert sie in gleicher Weise in eine neue körperliche Gestalt weiter. Sie befindet sich auch in den Tieren und Pflanzen.

Eine ähnliche Theorie vertreten auch die sogenannten Kahunas („Hüter der Geheimnisse“) auf Hawaii, deren religiöse Philosophie Huna genannt wird. Nach ihrer Lehre besitzt der Mensch drei Teile, die als „niederes, mittleres und höheres Selbst“ bezeichnet werden. Das niedere Selbst stellt den physischen Körper und die Emotionen dar und das mittlere die Vernunft, während das höhere Selbst die Quelle spiritueller Weisheit und Kraft ist. Dadurch, daß sich eine individuelle Seele am Ende ihrer Evolution durch eine Reihe von Inkarnationen (von Felsen und Gewässern über Pflan­zen, Insekten und Vögeln bis zu Säugetieren und schließlich Menschen) diesem höheren Selbst öffnet, kann sie schließlich vollständig „geheilt“, das heißt geläutert, werden.

Die Lehre der Reinkarnation ist nahezu ausnahmslos auch bei sämtlichen Stämmen der australischen Ureinwohner (Aborigines) zu finden, welche glauben, daß alle Lebenden Wiederverkörperungen der verstorbenen Vorfahren sind. Ganz ähnlich wie in den afrikanischen Schilderungen geistert auch hier die Seele nach dem Tode in der Umgebung ihrer ehemaligen Wohnstätte in Teichen, Felsschluchten oder Bäumen umher und wartet so auf eine Möglichkeit, wieder in einen Mutterleib einzugehen. Nach Ansicht einiger Aborigines kann man nur im eigenen Stamm wiedergeboren werden. Auch hier wird der Kreislauf der Geburten und Tode als endlos betrachtet.

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Für mehr Informationen zu diesem Thema empfeheln wir: "REINKARNATION - Die umfassende Wissenschaft der Seelenwanderung" Hier beschreibt Ronald Zürrer, eine fruchtbare Synthese zwischen westlichem Glauben und östlicher Weisheit.

Er behandelt die Stellung der Wiedergeburt in der Weltgeschichte, in der modernen Wissenschaft, in den Weltreligionen und besonders auch im christlichen Glauben. Gemäss Michael Hesermann (Gründer des Magazin 2000) ist es das beste Buch, das es in deutscher Sprache zum Thema Reinkarnation gibt. Dieses Buch vermittelt einen vollständigen Überblick über alles, was man über die Wiedergeburt wissen muss und was darüber bis heute bekannt ist. Zugleich ist es eine Herausforderung sogar für diejenigen, die an Reinkarnation glauben...

Aus dem Inhalt:

- Die Aktualität der Reinkarnation
- Grundlagen der Reinkarnationslehre
- Individuelles und kollektives Karma
- Praktische Fragen zur Reinkarnation
- Der Reinkarnationsgedanke in der Weltgeschichte
- Reinkarnation und Christentum - unvereinbar?
- Erkenntnisse der modernen Reinkarnationsforschung
- Fallbeispiele spontaner Rückerinnerung
- Rückführungen und Reinkarnationstherapie
- Dharma: Die Lebensaufgabe
- Das Ende der Reinkarnation
- Ausführliches Begriffs- und Literaturverzeichnis
- Grats dazu: Eine 16seitige Broschüre «Reinkarnation - Fragen & Antworten» mit Kurzantworten auf die 25 wichtigsten im Buch behandelten Fragen. Buch hier bestellen




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